Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

glaubt, das Dongola-Pferd stamme von den zuriückgelassenen Pferden der Kreuz- fahrer her, wofür auch die den Rittern des Mittelalters ahnliche Sattelung, Zäu- mung und Kleidung der Reiterey von Bournou und Begharmi(welche Denham beschrieben und abgebildet hat) spricht. Uebrigens soll nach Riippell*) diese Pferde-Raçe durch die inneren Kriege jener Länder und Seuchen der Aufreibung nahe seyn.

Unter den europäischen Pferden haben die englischen und Meklenburger am meisten Ruf.

Die englische Viehzucht überhaupt ist dadurch ausgezeichnet, daſs sie für jede Art des Gebrauchs eigene Thiere zu produciren strebt, und durch Befolgung fester Grundsätze dieses Ziel erreicht hat. So sind denn auch die englischen Wettrenner, Jagdpferde, sowie Kutschen- und Karrenpferde in ihrer Art unüber- troflen, allein die einseitige Verfolgung eines Lieblings-Gegenstands(des Wett- rennens) hat bei den edleren Zuchten Englands Milsverhältnisse in den Formen, wie zu hohe und dünne Beine, einen langen, wenig wendsamen Hals, einge- zwängte Schultern, Hasenhacke u. s. w. häufig gemacht, wozu durch den Ge- brauch noch ein hartes Maul und mehrere Knochenfehler hinzukommen. Die englischen Vollblutpferde sind aus der Vermischung ausgezeichneter Landstutten mit orientalischen Hengsten,(deren erster von Jacob I. anno 1663 erkauft wurde) und nachherige Reinerhaltung dieser Zucht(so wie öftere Auffrischung mit Orien- talen) hervorgegangen. Eine der kleinsten Pferde-Raçen ist in Hochschottland einheimisch(in Corsica und Sardinien finden sich diesen ähnliche Pferde).

Die Pferde Mecklenburgs sind hinlänglich bekannt; von dem alten Schlag hatten viele einen zu kurzen Hals und etwas enge Ganaschen, welshalb sie schwer zu dressiren waren, ferner einen gesenkten Rücken; in neuerer Zeit hat man durch Einführung englischer Zuchtthiere diesen Fehlern abzuhelfen gesucht, da- gegen aber die Fehler der englischen Pferde einheimisch gemacht.

Dänemark zieht Pferde von gutem Aeuſseren, durch Ausdauer und Brauch- barkeit sowohl zum Militärdienst als zum Schulpferd ausgezeichnet; viele der- selben gehen in das Ausland. Die Veredlung der Landes-Pferdezucht gieng seit mehreren Jahrhunderten von den königlichen Gestütten zu Frederiksborg und der Umgegend aus, woselbst sich auch eine Zucht von(anderwärts äufserst sel- tenen) weilsgebornen Schimmeln befindet. Holstein und Schleswig liefern eine grolse Menge von Kutschen-Pferden, welche den Stempel des feuchten Clima und des niedrigen, fetten(Marsch-) Landes an sich tragen, sie sind mit 3 4 Jahren ausgewachsen, lebhaft aber ohne Ausdauer und nehmen mit 9 10 Jah- ren schon stark ab; ihr schmaler, häufig gebogener Kopf ist zu Hirnleiden ge- neigt, und ihre groſsen Hüfe zum Platt- und Vollhuf; sie sind fleischig, saftig wie ihre Waide, von ansehnlicher Grölse, gutgeformtem Leib, aber schwammigen Kno- chenbau und häufig mit Gelenkfehlern behaftet.

*) s. R. Reisen in Nubien, Hordofan und dem peträischen Arabien. Frankfurt 1620.

3