Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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Pferdezuchtso vereinigt zu treffen, als in Arabien; dass indessen auch dort durch sorgfältige Auswahl der Zuchtthiere und zweckmälsige Erziehung die einheimi- sche Pferderage verbeſsert werden konnte, beweilst der Umstand, dals es dort wie in andern Ländern, gemeine Pferde,(Kadishi genannt) giebt, d. h. folche, bei deren Paarung man nicht von strengen Grundsätzen ausgeht und deren Auf zucht weniger sorgfältig betrieben wird, als bei der edlen Raçe, welche die Ara- ber: Keilan, Köchlani und Koheil nennen. Diese theilt sich in mehrere Fami- lien, unter welchen nach Minutoli die Saclawi, Anazé, Nedschid, so wie die Pferde der Stämme Kahtan und Dowasr zu den berühmtesten zu rechnen sind. Bei- derlei(gemeine sowohl, als edle) Pferde sind in Beziehung auf das Aeuſsere einander ähnlich; es giebt unter den gemeinen eben so schöne Thiere als unter den edlen, und unter diesen solche, welche keineswegs ausgezcichnet zu nen- nen sind. Der Tradition zu Folge sollen diese edle arabische Pferde von den Pferden David's oder Salamo's abstammen. Andere sezen ihren Ursprung weit später, und betrachten sie als die Nachkommen von 5 Stutten welche nach dem Siege Mahomed' bei Damask, unter 100 die er abschikte, die Nachricht zuerst nach Mekka brachten. Die Nachkommen dieser Stutten werden Elkom's ge- nannt. Es ist jedenfalls übertrieben, dals die Araber die Stammregister ihrer Pferde bis auf diese entfernte Zeiten zurückführen können. Die ausgezeichnet- sten Stutten haben am Halse einen Beutel hängen, worinn sich ihre Gencalogie auf ein Stück Gazellenhaut geschrieben befindet. Die Uebersetzung zweier solcher Dokumente, welche durch den preuſsischen Stallmeister Ehrenpfort nach Deutsch- land gelangt sind, findet sich in Bouwingshausem's Taschenkalender auf das Jahr 1795, eine 3te Uebers. ist in Berggrens Reise in Europa und im Morgenlande (Leipzig und Darmstadt 1827. 1ster Thl. p. 333.) enthalten. Nach Dr. Seezen sind aber diese Adelsbriefe deſshalb schon verdächtig, weil sie besonders bezahlt werden mülsen, und dadie Beduinen umsonst mehr als zu viel lügen, so läſst sich denken, wie weit sie diese Tugend für's Geld treiben werden*). Nach Burk- hardt werden die Stammbäume erst dann angefertigt, wenn die Pferde auf ei- nen grolsen Markt zum Verkauf gebracht werden sollen-.

Die Form der arabischen Pferde ist zu bekannt, als dals ich ihre Beschrei- bung wiederholen dürfte; sie gilt den Meisten als Muster der Schönhceit, obgleich die Ganaschen gern zu breit, der Hals manchmal verkehrt, uud die Füfse be- sonders die Schienbeine, zu fein sind. Der Beduine sieht am meisten auf Schönheit des Kopfs, eine breite Brust und ein schlankes Hintertheil;Heil dem Pferde, sagt er, das die Brust eines Löwen und das Hintertheil eines Wolfs hat**). Die edelsten arabischen Pferde findet man am persischen Meerbusen

*) 8. Brief des russischen Collegial-Assessor Dr. Seetzen an Herrn v. Hammer, aus Mocha den 11. November 1610, in den Fundgruben des Orients. 2r Bd. p. 275. **) Die Deutschen verlangten von einem vorzüglichen Pferde, dass es drei Eigenschaften