Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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soll man in Arabien Gerste füttern, in Nubien nach Burkhardt Mais(Dhourra) defsen Blätter statt Heu dienen, in der Bucharey eine Art Rossgras(Holcus sacharatus). In Norwegen und Island müssen die Pferde,(wenn Mangel an Pflan- zen eintritt) mit gedörrten Fischen vorlieb nehmen. In Bengalen mästet man Pferde mit gekochtem Schaaffl eisch und Kräutern.

Die Benützung des Pferdes im Leben ist als bekannt vorauszusetzen; nach dem Tode ist es beinahe werthlos, da sein Fleisch, mit Ausnahme der Mongo. len, Kalmucken u. s. w. gewöhnlich nicht verspeist, sondern höchstens den Hunden und Schweinen gefüttert wird. Indeſsen haben sowohl unsre Voreltern, die alten Deutschen, als auch die Völker Skandinaviens, vor der Einführung des Christenthums und der damit in Verbindung gebrachten Mosaischen Speise-Ge- setze, Pferdefleisch als Nahrungsmittel allgemein benützt und sehr geschätzt. Das Fett des Pferds ist ölartig und gesteht nur in der Kälte, ähnlich dem Baum- Oehl. Die Knochen werden zum Theil von den Drehern verarbeitet, zum Theil in Knochenmehl oder in Beinschwarz verwandelt. Das Horn der Hufe ist zu kleinen Gegenständen tauglich, aber von wenig Werth; die Sehnen werden zu Leim benützt(hie und da auch die Knochen). Die Haut wird gegerbt und von den Sattlern gebraucht; sie hat bei grolser Dicke wenig Festigkeit, und daher geringen Werth. Die Mähnen- und Schweifhaare(Roſshaar) benützt man zum Ausstopfen der Polster u. dgl. Sonstige Abgänge des Pferdes finden selten An- wendung, wenn man die Salmiak- Trabricalion ausnimmt.

Durch die Verbreitung des Pferdes, von seinem ursprünglichen Vaterland (Mittel-Asien) in entferntere Länder von verschiedenem Klima, ist es gleich an- dern Hausthieren, in Form und andern Eigenschaften mehrfältig abgeändert wor- den. Hierauf beruhen die verschiedenen Raçen dieser(wie jeder andern) Thier- Art; sie sind also eine Folge der lange dauernden Einwirkung der klimatischen und übrigen materiellen Bedingungen des Lebens(Luft, Nahrung, Beschaffenheit des Bodens u. s. w). Die Eigenschaften eines Individuums werden entweder durch die Zeugung bestimmt(ererbt), oder sie sind durch den Einfluſs des Klima hervorgebracht(erworben); jene Eigenschaften sind im Allgemeinen die constan- teren(z. B. die Gattungs- und Art-Kennzeichen, wie Gebiſs, Knochenbau, Fuſs- Ende), diese hingegen mehr veränderlich(z. B. Körper-Gröſse, Beschaffenheit der Haare u. s. w.) Als daher das Pferd in Ländern sich ausbreitete, welche es vorher nicht bewohnt hatte, veränderte es sich je nach dem Klima u. s. w. seines neuen Vaterlandes, und die Nachkommen besaſsen nun theilweise die Ei- genschaften ihrer Voreltern, theilweise aber andere(günstigere oder nicht) und bildeten so eine neue Rage. Je mehr das Klima eines Landes verschieden ist, von dem eines andern, um so mehr müssen die versetzten Thiere abgeändert werden, und im Gegentheil, je ähnlicher zwei Länder in Klima und Production einander sind, um so eher werden sie ähnliche Raçen hervorbringen; daher haben die verschiedenen Pferde-Raçen des Orients mehrere übereinstimmende Eigen- schaften.