Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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sehr kleine, aber unbändige, verwilderte Pferde, meist Braunen, mit kurzer strup- piger Mähne und stark behaarten Füſsen. Die sogenannten wilden Gestütte in Ungarn, Polen und dem südlichen Rulsland sind eigentlich nicht hieher zu zählen, da sie unter fortwährender Aufsicht gehalten, und die Pferde nicht sel- ten im Winter eingebracht und gefüttert werden mülſsen.

Im Innern von Afrika traf Mungo Park(wahrscheinlich verwilderte) Pferde von einerlei Farbe.

Amerika, welches vor der Entdeckung durch die Europäer keine Pferde besaſs, nährt jetzt eine grolse Anzahl von verwilderten Pferden, sowohl in seiner nörd- lichen als südlichen Hälfte. In Neu-Mexiko, am Milsouri, in Kalifornien und auf Hayti trifft man deren in ziemlicher Menge, eine weit gröſsere Zahl aber bewohnt die groſsen Wiesenflächen' vou Paraquay und Buenos Ayres bis nach Patago- nien. Diese Heerden verwilderter Pferde sind die Nachkommen von andalusi- schen Pferden, welche im Jahr 1535 durch Don Pedro von Mendoza hicher ge- bracht wurden. Sie haben jetzt noch viele Aechnlichkeit mit ihren StammEltern und sind alle braun oder braunroth. Sie schaden oft durch ihre Menge(es sind oft mehrere tausend beisammen) den angebauten Ländereyen sehr, und zie- hen nicht selten zahme Pferde an sich. Man fängt sie mit dem Wurfseil und zähmt sie allmählig, ihr Werth ist sehr gering, da ein Hengst oder Wallache nur 2 4 Piaster, eine Stutte nur 3 4 Groschen gilt. Auſser dem Men- schen haben diese Thiere an dem Crocodill, den electrischen Aalen, dem Jaguar, den grofsen Fledermäusen und einem Heer von Insekten zahlreiche und gefähr- liche leinde; auch erschwert die groſse Hitze und Dürre des Sommers, wie das Anschwellen der Flüsse und die Ueberschwemmung des ebenen Landes zur Re genzeit ihr Fortkommen gleich sehr.

Eine Vergleichung des zahmen Pferdes mit dem wilden oder verwil- derten fällt zu Gunsten des ersteren aus, welches durch die Zähmung zu den Zwecken des Menschen tauglicher gemacht wurde; seine Formen sind regel- mäſfsiger, schöner und gröſser geworden, die ihm angeborne Scheu und Wider- spenstigkeit hat sich in Muth und Gelehrigkeit verwandelt; dagegen hat es ohne Zweifel(wie die andern gezähmte ThierArten) an Ausdauer eingebülst, widersteht weniger den nachtheiligen Einflüſsen der Atmosphäre, ist mehreren Krankheiten unterworfen und erreicht somit seltener ein hohes Alter.

Die Fütterung des zahmen Pferdes weicht nach der Vegetation des Landes etwas ab, doch besteht sie im Allgemeinen aus Pflanzen, welche der Familie der Gräser(GetraideArten) und der Leguminosen(Klee), angehören. In den meis- ten Ländern Europa's erhält das Pferd Haber, Heu und Stroh als normale Füt- terung, an deren Stelle manchmal Gerste, Waizen, Mehl, Brod und Knollen- Gewächse gesetzt werden. In einigen Gegenden Frankreichs giebt man Reben- laub, in Spanien Acazienblätter und Schoten, in Ungarn Weid. Die Araber geben nach Burkhard(besonders den Füllen) Kameelsmilch, ferner einen Teig aus Datteln und Wasser, auch Fleisch, sowohl roh als gekocht; nach Andern