Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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lälst am meisten auf den asiatischen Ursprung des Pferdes schlieſsen; das Pferd ist somit eines jener Thiere, welche schon vor der letzten allgemeinen Ueber- schwemmung, und somit vor dem Menschen, geschaffen waren, und man hat an mehreren Orten, z. B. in Cannstadt von Anno 1700 bis auf die neueste Zeit, in Frankreich beim Graben des Canals de Ouroq, im Modenesischen, im Hessischen u. s. w. fossile Ueberreste desselben, zum Theil in Menge gefunden. Der Zweifel, ob diese Knochen dem Pferde, oder einem andern Thiere seiner Gattung(Zebra u. s. W.) angebört haben, scheint mir unerheblich; der Grölſse nach gehörten sie unbezweifelt dem Pferde an; ein vollständig erhaltenes lin- kes Vorderschienbein, das ich bei Cannstadt 1823 gefunden, muſs einem Thiere von der Grölſse des orientalischen Pferdes angehört haben, ein linkes Hinter- schienbein aus der Sammlung des landwirthschaftlichen Vereins ist dagegen weit grölser und lälst auf ein Pferd von dem grölsten Schlag(etwa 17 18 Faust hoch) schlieſsen.

Wenn aber auch Asien das Stammland des Pferdes ist, so scheint es jeden- falls frühe nach Afrika gebracht worden zu seyn, da im höhern Alterthum(s. oben) die afrikanischen Pferde so sehr geschätzt waren; auch später stand die numi- dische Reiterei in hohem Ansehen, und bis auf den heutigen Tag gehören die Pferde der Berberei unter die vorzüglichsten. Wäbrend die südlichen Länder Europa's ihre Pferde von den gegenüber liegenden afrikanischen Küsten erhielten, bevölkerte sich das nördliche und ein Theil des westlichen Europa's vom Innern Asien's aus mit Pferden, da in früherer Zeit an der Grenze beider Welttheile ein sehr zahlreiches Volk, die Scythen, wohnte, dessen Hauptreichthum in Pfer- den bestand, in späterer Zeit aber durch die groſse Völkerwanderung ein bedeu- tender Theil unseres Welttheils von Menschen und Thieren asiatischen Ursprungs überschwemmt wurde.

Bei seiner Ausbreitung über die Erde ist das Pferd dem Menschen bis zum Polarkreis gefolgt, denn man trifft sowohl in lsland als in Lappland zwar kleine aber dauerhafte Pferde an. Ebenso unansehnlich sind die Pferde der heissesten Länder, so dals es deutlich ist wie das Pferd die gemäſsigte und selbst die kalte Zone beſser erträgt, als die Hitze der TropenLänder; namentlich sollen die Pferde in Ostindien und China nicht gedeihen. Die Pferde von Java aber sind nach Stamfort Raffles wohlgebaut, rasch und klein, d. h selten mehr als 13 Faust hoch; die von Bima sollen von Sachverständigen den arabischen Pferden(die Gröſse ausgenommen) gleichgestellt werden.

Verwilderte Pferde giebt es an mehreren Stellen. Am Don und AsowschenMeer leben kleine, dickköpfige Pferde von röthlichter Farbe, welche von den russischen Pferden abstammen, die bei der Belagerung von Asow Ao. 1697 aus Mangel an Futter freigelalsen wurden. Auf der Insel Camarque(Rhone Mün- dungen) sollen die Ueberreste eines im Jahr 1755 daselbst errichteten, aber bald darauf in Verfall gekommenen Gestütts in völliger Freiheit leben; die herrschende Farbe ist weils oder aschgrau. In einigen Gegenden von Sardinien giebt es

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