Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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gegen das Kreuz hin allmählig; die Füſse sind nicht gestreift. Das Naturell des Quagga ist weniger unbändig als beim Zebra; man zäâhmt es daher und benutzt es zum Reiten und Zichen, worin es mehr Kraft als das Pferd(des

Caps) äufsern soll. Die Stimme besteht in oft wiederholtem Schreien des

Tons Oo!

Das Berg-Zebra(bei den Colonisten am Cap wilde Paard, hottentottisch Dauw genannt) ist erst seit Kurzem bekannt geworden; es lebt in den Gebirgen des südlichen Afrika, während das Zebra und Quagga blos in den Ebenen an- getroffen werden; es hat mit den beiden letzteren in Form und Gröſse sehr viel Aehnlichkeit, unterscheidet sich aber durch die Farbe und Zeichnung seines Körpers, welche an den obern Theilen isabell ist, mit dunkleren(fast schwar- zen) Streifen, die an der hintern Hälfte des Rückens schief abwärts und vor- wärts laufen. Der Huf des Dauw soll nach Burchell ganz anders geformt seyn, als beim Zebra, was ich bei einem lebenden Exemplar in der Pariser Menagerie nicht bemerken konnte.

Die nahe Verwandtschaft der bisher angeführten Arten der Pferdegattung gibt sich auch durch Vermischung derselben kund, aus welcher Bastarde(im naturhistorischen Sinne des Worts) entstehen, von denen das Maulthier das bekannteste ist.

Durch die Paarung des Pferdehengstes mit einer Eselsstutte erhält man den Maulesel(Equus Hinnus), welcher in Gestalt dem gemeinen Esel ähn- lich, häufig aber noch hälslicher ist; dagegen riihrt das Maulthier(Eq. Mulus) von der Begattung des Eselhengstes mit der Pferdestutte her, welcher es auch in Beziehung auf Grölse und Form ähnlich ist, indem es von dem Vater blos das schmale Kreuz, den etwas kahlen Schweif, die langen Ohren, die engen Hufe, das störrige Temperament und die Stimme ererbt hat. In den südliche- ren Ländern, z. B. Spanien, Italien, zieht man groſse und schöne Maulthiere und bezahlt sie häufig theuerer als Pferde(z. B. im südlichen Frankreich 1000 1500 Francs für ein vorzügliches Maulthier), welche sie an Ausdauer, Sicherheit des Ganges und Fähigkeit, schwere Lasten zu tragen, übertreffen.(Man pflegt daselbst die Maulthiere im Sommer zu scheren oder rasiren, ein Gebrauch, wel- cher sehr alt ist, da schon Kaiser Diocletian Anno 303 v. Chr. in einem Edict, welches die Taxe verschiedener Gegenstände und Bemühungen vor- schreibt, dem Mulomedicus für ein Thier zu scheren und die Hufe zu beschnei- den circa 36 kr. aussetzt. Bei den Juden war die Vermischung von zweierlei Thie- ren untersagt, und in Spanien und Italien wurde ehedem diejenige, welche Eselshengste zur Maulthierzucht hielten excommunicirt.) Bekanntlich pflanzen sich die Maulthiere nicht fort, obgleich an ihren Zeugungsorganen kein Hindernils wahrzunehmen ist; diese Unfruchtbarkeit ist um so auffallender, als eine Menge ähnlicher Bastarde von andern Thierarten keineswegs im gleichen Falle ist. Die wenigen Beispiele von Fortpflanzung bei den Maulthieren, welche man kennt, haben überdieſs bewiesen, daſs das Junge bald wieder zu Grunde geht.

Tab. I. Fig. 8.

Tab. I. Fig. 3.