Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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Man hat Bastarde von der Zebrastutte mit dem Eselshengste, und mit dem Pferdehengst gesehen; sie besalsen die Streifen, welche das Zebra auszeichnen, jedoch weniger regelmäfsig; auch mit dem Quagga zeugt der Esel Junge. Von einem Quaggahengst und einer englischen Stutte bekam man 1815 ein ge- flecktes Füllen; dieselbe Stutte brachte später noch 3mal gestreifte Jungen, ob sie gleich jedesmal von einem andern(Pferde-) Hengste bedeckt worden war.

Keines der angeführten einhufigen Thiere war in der neuen Welt bei ihrer Entdeckung vorhanden; dagegen soll nach dem Abt Molina*) in den Gebirgen Chili's eine Pferdeart mit gespaltenem Hufe leben, welche daselbst Guemul oder Huemul genannt wird. Er sagt von demselben, daſs obgleich er gespal- tene Hufe habe, im Uebrigen sehr dem Pferde gleiche; die Zähne seyen nach Grölse und Stellung Pferdeartig; Gestalt, Haare und Färbung des Körpers sey denen des Esels ähnlich, die Ohren aber kurz und das schwarze Rückenkreuz fehle. Die Stimme gleiche dem Wiehern des Pferdes, der Magen sey einfach u. s. W. Dals andere Naturforscher und Reisendéèé in Chili dieses Thiers nicht erwähnen, erklärt Molina dadurch, daſs es das seltenste und wildeste Thier des Landes sey, welches sich nur auf den steilen Abhängen der Cordilleren sehen lasse und selten zu den innersten Thälern dieses Gebirgs herabsteige.

Auf diese unvollständige Nachricht haben die Naturforscher theils die Exi- stenz dieses Thiers bezweifelt und es aus ihrem Systeme geradezu ausgelassen (z. B. Cuvier), theils dasselbe unter dem Namen zweihufiges Pferd(Equs bisulcus), zu den Pferden, oder aber als eine Art Lama oder Vicunna zu den Wie- derkäuern gestellt.

Da die neueren Reisenden in Chili von diesem Geschöpf nichts Naheres in Erfahrung bringen konnten, und selbst die Chilesen es kaum oder gar nicht zu kennen angeben, so wird der Guemul wohl aus der Naturgeschichte ver-

schwinden müssen.

c.) Saggio sulla storia naturale del Chili, übersetzt von Brandis 1786.(2da Edizione Bologna 1810 4⁰.)

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