Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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ben stärkere und höhere Glieder als der zahme Esel, einen längeren, stark ge- bogenen(Ramms-) Kopt, aufrechte, muntere, an der Spitze schwarze Ohren, eine weiche, wollige, 3 4 Zoll hohe Mähne, und schmale Brust und Rumpf. Ihr Sommerhaar ist aschgrau, sanft, glatt und glänzend wie Seide; das Winter- haar gewellt und fett anzufühlen. Von den 2 Exemplaren, welche Pallas auf seiner Reise bekam und nach Petersburg schickte, war der Hengst 4 Fuss 2 hoch, die Stutte 3 Fuss 4; die Kruppe war 2 4 höher als der Wider- rist. Die Steppenvölker stimmen darin überein, dass die wilden Esel mit den flüchtigsten Pferden nicht einzuholen sind; man fängt sie daher gewöhnlich in Gruben, oder indem man ihnen an der Tränke auflauert; sind sie gefangen, s0 gebärden sie sich unbändig, beissen und schlagen gefährlich, mit einem wüthen- den Schnauben, das ihre einzige Stimme zu seyn scheint. Eine in ihre Nähe gekommene Dogge schnaubten sie an und verfolgten sie grimmig.)

Man bedient sich in Persien der als Füllen eingefangenen und gezähmten wilden Esel zum Reiten, füttert sie mit Reis, Haber, Reisstroh und Brod und fürbt sie mit Kanna roth; sie halten die Strapatzen einer Reise durch die Wüsts besser aus als die Pferde, und werden daher theuer bezahlt. Die Zähmung und Verbreitung des Esels in nördliche und feuchte Klimate hat demselben seine ursprüngliche Kraft und Lebhaftigkeit benommen, auch an Gröfse steht der zahme Esel dem wilden im Allgemeinen nach. Die grölsten Esel finden sich in Spanien und Neapel, wo sie bis auf 14 Faust erreichen, dagegen die Sardini- schen nur 8 Faust hoch werden sollen. Der zahme Esel besitzt Sicherheit des Ganges mit verhältniſsmäſsig groſsen Lasten, daher er für Gebirgsgegenden sich vorzüglich eignet; er ist mit schlechtem Futter zufrieden, träge, wenig empfind- lich, aber widerspenstig, wenn er einmal aufgeregt wurde. Die Farbe des Esels ist ziemlich constant; Schimmel u. dgl. sind selten, ebenso Abzeichen an den Füssen und dem Kopfe.

Die Kleinheit, Schwäche und unproportionirte[Gestalt des Esels des mitt- leren Europa's rührt theils von dem Klima, theils aber von dem Mangel an Sorgfalt her, mit welcher man seine Paarung und Aufzucht betreibt; in den nördlichen Gegenden kommt derselbe nicht mehr fort.

Der Esel ist weniger Krankheiten unterworfen als das Pferd; einmal er- krankt, ist aber auch seine Heilung viel schwieriger. Auffallend ist, daſs die Rotzkrankheit der Pferde bei dem Esel einen so schnellen Verlauf nimmt, dass sie schon in 10 14 Tagen den Tod herbeiführt, da dieselbe Krankheit beim Pferde Monate und Jahre lang dauern kann.

Der Halbesel(Dshiggetai) lebt in der mongolischen Wüste, und ist bis jetzt nicht gezähmt worden. Nach Pallas hat der Dshiggetai das Mittel zwi- schen dem Pferde und dem Esel, besitzt aber eine weit schönere Gestalt als das gemeine Maulthier; seine Farbe ſist lichtbraun, an den Füssen innen fahl- gelb, Mähne und Schweif schwärzlich, ein ähnlicher Streif läuft über den Rücken hin; an Grösse kommt er fast einem Klepper gleich,(eine Anno 1772