970 gen faul freſſen. Aber nicht die Niederung an und fuͤr ſich war die Urſache, ſondern das verſchlammte Gras, wel⸗ ches ſich freilich nur in Niederungen finden kann.
Ein eben ſo grundloſer Glaube iſt der, man duͤrfe die Schaafe nicht viel ſaufen laſſen. Weil man ſahe, daß Schaafe, die ſich an friſchen, ſaftigen Kraͤutern ſatt freſſen, wenig ſaufen, und daß ſie allenfalls eine lange Zeit leben koͤn— nen, ohne zu ſaufen; ferner, weil man dann die Erfahrung machte, daß ſolche vom Waſſer abgehaltene Thiere mit Macht uͤber alle Pfuͤtzen herfielen, wenn man ſie nicht bewachte, und ſich davon den Tod holten, ſo glaubte man, das Saufen uͤber⸗ haupt ſey ihnen ſchaͤdlich. Es iſt aber eine grauſame, unna— tuͤrliche Behandlung dieſer Thiere, ſie in der großen Hitze dur— ſten zu laſſen. Man ſorge nur fuͤr eine reinliche Traͤnke, als z. B. in einem Fließe oder Bache, oder ſchoͤpfe gutes Brun— nenwaſſer in Troͤge und gebe den Schaafen taͤglich zu ſaufen; ſo werden ſie ſchlechtes, verdorbenes Waſſer ſo gut verab⸗ ſcheuen, wie verdorbenes Futter, wenn ſie reines und geſundes haben.
So zieht ſich der Menſch oder ſeinen Thieren oft Krank— heiten zu, weil er ſich von Vorurtheilen quaͤlen laͤßt, uͤber de⸗ ren Grund oder Ungrund er kaum nachzudenken wagt. Ein genaues Aufmerken auf ſeine eigene Natur, auf ſeine Thiere, ihr Wohlſein und ihre Leiden, ſo wie auf alles, was um ihn vorgeht, wuͤrde ihn oft von ſelbſt darauf hinleiten, einzuſehen, daß er in vielen Stuͤcken thoͤricht handelt.
Nach dem was ich Euch bisher uͤber die Schaafzucht ge⸗ ſagt habe, muß Euch einleuchten, daß ſie weder ſo mißlich, noch ſo künſtlich iſt, als mancher von Euch vielleicht geglaubt hat. Beherziget wohl, was ich Euch uͤber die Ernaͤhrung der Schaafe mit Wurzelgewaͤchſen geſagt habe.
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