Teil eines Werkes 
Zweiter Theil (1818)
Entstehung
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gels und Elends. Auf das Rindvieh mußtet Ihr ſchon des⸗ wegen eher ſehen, weil Ihr damit Euren Acker beſtellt, oder Euren Tiſch mit Milch und Butter verſorgen mußtet.

Ihr werdet mir nicht gern zugeben wollen, daß die Schaafe bei Euch jemals verhungert ſind, Ihr werdet ſagen, ſie waͤren verhuͤtet geweſen. Aber laßt einmal ſehen, wie es damit eigentlich zugeht. Ich bin der Meinung, daß Hun⸗ ger die erſte Urſache des Verhuͤtens iſt.

Denn ſeht! das Schaaf findet auf allen ſeinen Weide plaͤtzen Kraͤuter und Pflanzen, die ihm ſchaͤdlich ſind, und die es nicht beruͤhrt. Die Euch allen bekannte Wolfsmilch, das Bilſenkraut und mehrere andere ſtehen auf allen Dorfplaͤtzen, wo Schaafe vorbei getrieben werden. Keines ruͤhrt ſie an, weil der Schoͤpfer ihnen das Vermoͤgen gegeben hat, ſolche Nahrungsmittel zu unterſcheiden, die ihnen den Tod zuziehen wuͤrden. Die Thiere ſind ſich freilich der Urſachen nicht be wußt, aber ſie ſind durch dieſes Vermoͤgen entweder unwider ſtehlich zur Verabſcheuung eines Gewaͤchſes oder zur Verrich⸗ tung irgend einer kuͤnſtlichen Handlung gezwungen; es iſt ſo genau mit ihrer ganzen Natur verbunden, daß ſie im freien Zuſtande immer davon geleitet werden.

Dieſes Vermoͤgen der Thiere nennen wir Inſtinkt. Wir finden es faſt bei allen Thieren. Die Schwalbe bauet ſich ihr Neſt wie kein anderer Vogel auf eine aͤußerſt kuͤnſtliche Weiſe; die Gans rupft ſich Federn aus, wenn ſie bruten will; die kuͤnſtliche Ordnung im Innern eines Bienenſtocks iſt be wundernswuͤrdig.

So wie dieſe Thiere durch ihre ſeit der Schoͤpfung ihnen mitgetheilte unwillkuͤhrliche innere Neigung dieſe kuͤnſtlichen Verrichtungen ausuͤben, ſo vermeidet auch ein Schaaf ſo lan ge ſchaͤdliche Nahrungsmittel, als der Hunger bei ihnen nicht ſtaͤrker iſt, als der Inſtinkt. So wie aber die Noth nirgends ein Gebot anerkennt, ſo verlaͤßt auch die Schaafe die ihnen vom Schoͤpfer mitgetheilte innere Kraft, ſchaͤdliche Nahrungs⸗ mittel zu fliehen, wenn der Hunger bei ihnen zu ſtark wird. Nun ſind es freilich keine giftigen Gewaͤchſe, an denen ſich

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