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Reise durch die östlichen Bundesstaaten in die Lombardey und zurück über die Schweiz und den oberen Rhein, in besonderer Beziehung auf Völkerkunde, Landbau und Staatswirthschaft / von C. F. von Rumohr
Entstehung
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Nunmehr wird auch dieſes intereſſante Land, gleich ſo viel anderen, durch eigene Erfahrungen ermitteln ſollen: daß Ein⸗ förmigkeit und organiſche Einheit nicht durchaus gleichbedeu tende, vielleicht ſelbſt einander ganz entgegengeſetzte Begriffe ſind.

Zu Baſel unterſcheidet ſich der ältere Ring der Stadt, in der Nähe der Rheinbrücke, noch immer von dem ſpäteren, ge räumigen Umkreiſe durch ausnehmend enge Gaſſen. Vornehm⸗ lich die Hauptſtraße, die vom Rathhauſe abwärts zur Brücke führt, und die Schweiz und Frankreich mit Schwaben und dem Reiche verbindet, ſchien einer beträchtlichen Erweiterung zu bedurfen. Ich habe die Entwürfe zu dieſer Aenderung nicht ge ſehen, die vielleicht berückſichtigen werden, daß nach den Um ſtänden die grade Hauptſtraße ſowohl ſchöner, als bequemer in einer ſanften Beugung der Rheinbrücke ſich zuwenden dürfte, als in irgend einen Winkel gebrochen; denn ein rechter iſt hier über haupt unerreichbar. Die ſanften Biegungen eröffnen phantaſie reichen Architecten die artigſten Veranlaſſungen zu mannich⸗ faltiger Formenbildung. Nicht ohne Schmerz hörte ich, daß einige ſehr maſſive und ſtattliche Thürme hinweggerämt wer den ſollen, die wenig im Wege ſtehn. Die Lücke wird ſehr bald ſich fühlbar machen. Ueberhaupt möchte Baſel, das nun einmal den Charakter altdeutſcher Städte hat, darin beharren müſſen, wenn Uebereinſtimmung, wie man doch annimmt, die Grundbedingung alles ſchönen iſt. Das Rathhaus, das gleich alte Waarenhaus, beide in ſpät gothiſcher Bauart, der Dom, einige andere Kirchen, alte Brunnen, gute Befeſtigungs thürme und ähnliches mehr wird noch für lange Zeit das eigentlich hervorſprechende dieſer Stadt ſeyn, das ganz mo derne aber damit nicht leicht ſich einigen.