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Reise durch die östlichen Bundesstaaten in die Lombardey und zurück über die Schweiz und den oberen Rhein, in besonderer Beziehung auf Völkerkunde, Landbau und Staatswirthschaft / von C. F. von Rumohr
Entstehung
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Die politiſche Grundanſicht aller Volker germaniſchen ain Stammes ſcheint, nach dem Ergebniß, dieſe zu ſeyn: daß nach d mer den hiſtoriſchen und localen Verhältniſſen die Menſchen, nicht 9 aber nach den Menſchen die Verhältniſſe ſich zu richten haben; vorthe daß freylich, was uns das Schickſal, was die Natur gewährt, 3 Elſi bisweilen für menſchliche Zwecke benutzt, nach menſchlicher An⸗ nuc al ſicht zum Beſten könne gelenkt, doch nicht von Grund aus 4 ſanter neu hergeſtellt werden. Nirgendwo mehr, als in der Schweiz, unſeren hat dieſe Anſicht bis um das Jahr 1798 ſich thätig und wirk⸗ er dem ſam erwieſen. Wenn aber die Mannichfaltigkeit politiſcher konnen Geſtaltungen, welche ſie hervorgerufen, in den letztverfloſſenen eland Jahrhunderten von einer gewiſſen Gleichgültigkeit und charak⸗ egegen⸗ terloſen Stille begleitet ward, ſo war dieſe nicht die Folge iſt, ver jener Anſicht, entſtand ſie vielmehr aus allgemeineren geſchicht⸗ en ſchon lichen Verhältniſſen. Bis gegen den Ablauf des fünfzehnten gnaäch⸗ Jahrhunderts hatte der Schweizer Bund wiederholt, für ſeine nI, ihre Unabhängigkeit kämpfend, alle ſeine beſten ſittlichen, wie ma n. Dab teriellen Kräfte anſtrengen müſſen. Nach dieſer Zeit hingegen ine Er⸗ gewährte die Eiferſucht der größeren Mächte ihm eine mühe iſt er⸗ loſe Sicherheit. Bis um 1520 beſeelte, bald ein glühender ,ſolt Haß, bald eine leidenſchaftliche Vorliebe den Kriegesdienſt in m be⸗ fremdem Solde. Später ward ein Gewerb daraus, mit un⸗ it mit gleich mehr kaufmänniſchen, als ritterlichen Grundſätzen von der Treu' und Redlichkeit. Das alles macht freylich die politiſche , di Geſchichte der neueren Schweiz bis zum verhängnißvollen Jahre abenen 1798 etwas einſchläfernd. Indeß zeigt ſie immerhin viel ehren ichkei werthe Züͤge, in der Literatur, im Familienleben, in gewerb mn ſind licher und municipaler Thätigkeit. Und überhaupt iſt die lang en Op⸗ weiligſte politiſche Geſchichte an Bildern perſönlichen, harm g gnn loſen Glückes und beſcheidener, doch folgenreicher Wirkſamkeit unu⸗ nicht ſelten um vieles reicher, als jene der bewegteren und

thatenreichen Zeiträume.