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Nachtrag zu seiner Schrift: Revision der Ackerbau-Systeme ; veranlaßt durch eine Beurtheilung des ... [Albrecht] Thaer in dem 1. Stück des Bd. 3 der Möglinschen Annalen / von J. G. Koppe
Entstehung
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en Zuſtand unſerer Landwirthſchaft als Wiſſenſchaft be trachtet und darauf hindeuten, daß es noch nicht Zeit ſey, auf den Lorbeern der erſten Begruͤnder der wiſſen⸗ ſchaftlichen Lehre zu ruhen.

Ausſprechen wollte ich den Wunſch des ganzen land⸗ wirthſchaftlichen Publikums, daß unſere Zeitſchriften we niger mit Projecten und Vorſchlaͤgen zu Wirthſchafts⸗ Reformen, als hauptſaͤchlich mit treuen Nachrichten uͤber durchgefuͤhrte Verbeſſerungen moͤchten angefuͤllt werden. Jetzt iſt die Zeit ſo weit vorgeſchritten, daß ſehr viele nach den neueren Theorien bewirthſchaftete Guͤter Re⸗ ſultate gewaͤhren muͤſſen. Dieſe moͤge man uns mit al len Nebenumſtaͤnden mittheilen.

Leider ſtellt ſich dieſem gerechten Wunſch ein maͤch tiges Hinderniß entgegen. Dies iſt die falſche Scham, welche davon abhaͤlt, die reine, unverfaͤlſchte Wahrheit zu ſagen, ſobald der Erfolg nicht ſo iſt, als man erwar tet und gewuͤnſcht hat. Daher ruͤhrt es, daß nur ge⸗ lungene Verbeſſerungen auspoſaunt werden und daß man mißlungene Unternehmungen verſchweigt oder ſie entſtellt erzaͤhlt.

Jedes noch ſo ſchiefe Raiſonnement uͤber Gegen⸗ ſtaͤnde einer Erfahrungswiſſenſchaft iſt von geringem nach⸗ theiligen Einfluß gegen bemaͤntelte oder falſch angegebene Thatſachen. Wenn man ſchon nach allgemeinen Rechts⸗ grundſaͤtzen jeden Menſchen ſo lange fuͤr gut halten ſoll, als das Gegentheil nicht erwieſen iſt, ſo ſollte man doch wohl von einem Schriftſteller erwarten, er werde ſich der Wahrhaftigkeit befleißiget haben. In der muͤndli⸗ chen Rede koͤnnen jedem Menſchen Aeußerungen ent⸗ ſchluͤpfen, die nicht ganz der Wahrheit gemaͤß ſind, weil man vielleicht zerſtreut war, und ſich nicht aller auf ei nen Gegenſtand Bezug habender Umſtaͤnde erinnert.