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unkluges Gewaͤſch, erfunden von denen, die uͤber alles urtheilen wollen, eben weil ſie gar nichts verſtehen.
Die erſte Veranlaſſung zu dieſer Furcht vor der Schaͤd⸗ lichkeit der Kartoffeln ſcheint der Umſtand zu ſeyn, daß man oft die Erfahrung macht, daß die Schaafe ſich in Niederungen faul freſſen. Aber nicht die Niederung an und fuͤr ſich war die Urſache, ſondern das verſchlammte Gras, weelches ſich freilich nur in Niederungen fin⸗ den kann.
Ein eben ſo grundloſer Glaube iſt der, man duͤrfe die Schaafe nicht viel ſaufen laſſen. Weil man ſahe, daß Schaafe, die ſich an friſchen, ſaftigen Kraͤutern ſatt freſ⸗ ſen, wenig ſaufen, und daß ſie allenfalls eine lange Zeit leben koͤnnen, ohne zu ſaufen; ferner, weil man dann die Erfahrung machte, daß ſolche vom Waſſer abgehaltene Thiere mit Macht uͤber alle Pfuͤtzen herfielen, wenn man ſie nicht bewachte, und ſich davon den Tod holten, ſo glaubte man, das Saufen uͤberhaupt ſey ihnen ſchaͤdlich. Es iſt aber eine grauſame, unnatuͤrliche Behandlung die⸗ ſer Thiere, ſie in der großen Hitze durſten zu laſſen. Man ſorge nur fuͤr eine reinliche Traͤnke, als z. B. in einem Fließe oder Bache, oder ſchoͤpfe gutes Brunnenwaſſer in Troͤge und gebe den Schaafen taͤglich zu ſaufen, ſo wer⸗ den ſie ſchlechtes, verdorbenes Waſſer ſo gut verabſcheuen, wie verdorbenes Futter, wenn ſie reines und geſundes haben.
So zieht ſich der Menſch oder ſeinen Thieren oft Krankheiten zu, weil er ſich von Vorurtheilen quäͤlen laͤßt,


