Teil eines Werkes 
2 (1813) Unterricht im Ackerbau und in der Viehzucht. 2
Entstehung
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Ehe man die Schaafe auf die eine oder andere Art Noth leiden laͤßt, bequeme man ſich lieber dazu, einige abzuſchaffen, und ſo lange weniger zu halten, bis man im Stande iſt ſie beſſer zu verſorgen. Es kommt hier dieſelbe Regel in Anwendung, die ich uͤber das zu viele Viehhalten ſchon fruͤher genauer auseinander geſetzt habe.

Laßt Euch von dieſer Regel nicht abbringen, wenn Euch auch ſelbſt ſogenannte gelernte Schaͤfer eines andern belehren wollten. Unter dieſen Menſchen findet Ihr nur ſehr wenige, die da ordentlich wiſſen, was zum Beſten derjenigen Thiere gereicht, die ihnen ihren Lebensunter⸗ halt gewaͤhren. Mir ſind Schaͤfer vorgekommen, die nicht eher anfingen ernſtlich im Winter zu fuͤttern, als bis die Schaafe ſchon Noth gelitten hatten, weil ſie in der wi⸗ derſinnigen Meinung ſtanden, der Talg muͤſſe erſt weg von den Schaafen, wenn ſie ſich im Winter gut halten ſollten.

Laſſet Euch von ſolchen unwiſſenden Menſchen, die ſehr groß und wichtig mit ihrer Kunſt thun, nicht irre leiten. Es iſt nichts weniger als ein Geheimniß, wie man Schaafe behandeln muß, um ſie immer geſund zu erhalten, und einen ſichern Ertrag von ihnen zu ziehen. Jeder Menſch mit geſundem Verſtande, der das ihm un⸗ tergeordnete Vieh beobachten gelernt hat, kann ſich ſelbſt die Regeln geben, nach welchen Schaafe behandelt wer⸗ den muͤſſen. Sie ſind ganz kuͤrzlich folgende:

Sorge fuͤr eine trockene, ſuͤſſe und geſunde Weide.