Teil eines Werkes 
2 (1813) Unterricht im Ackerbau und in der Viehzucht. 2
Entstehung
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Schaafe bei Euch jemals verhungert ſind, Ihr werdet ſagen, ſie waͤren verhuͤtet geweſen. Aber laßt einmal ſehen, wie es damit eigentlich zugeht. Ich bin der Mei⸗ nung, daß Hunger die erſte Urſache des Verhuͤtens iſt.

Denn ſeht! das Schaaf findet auf allen ſeinen Wei⸗ deplaͤtzen Kraͤuter und Pflanzen, die ihm ſchaͤdlich ſind, und die es nicht beruͤhrt. Die Euch allen bekannte Wolfs⸗ milch, das Bilſenkraut und mehrere andere ſtehen auf allen Dorfplaͤtzen, wo Schaafe vorbei getrieben werden. Keines ruͤhrt ſie an, weil der Schoͤpfer ihnen das Ver⸗ moͤgen gegeben hat, ſolche Nahrungsmittel zu unterſchei⸗ den, die ihnen ſchaͤdlich ſind. Die Thtere ſind ſich frei⸗ lich der Urſachen nicht bewußt, aber ſie ſind durch dieſes Vermoͤgen entweder unwiderſtehlich zur Verabſcheuung ei⸗ nes Gewaͤchſes oder zur Verrichtung irgend einer kuͤnſt⸗ lichen Handlung gezwungen; es iſt ſo genau mit ihrer ganzen Natur verbunden, daß ſie im freien Zuſtande im⸗ mer davon geleitet werden.

Dieſes Vermoͤgen der Thiere nennen wir Inſtinkt. Wir finden es faſt bei allen Thieren. Die Schwalbe bauet ſich ihr Neſt wie kein anderer Vogel auf eine aͤu⸗ ßerſt kuͤnſtliche Weiſe; die Gans rupft ſich Federn aus, wenn ſie bruͤten will; die kuͤnſtliche Ordnung im Innern eines Bienenſtocks iſt bewundernswuͤrdig.

So wie dieſe Thiere durch ihre ſeit der Schoͤpfung ihnen mitgetheilte unwillkuͤhrliche innere Neigung dieſe kuͤnſtliche Verrichtungen ausuͤben, ſo vermeidet auch ein Schaaf ſo lange ſchaͤduche Nahrungsmittel, als der Hun⸗