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Der Kunstwiesenbau : praktisch dargestellt auf der hochgräflich von Nimptsch'schen Herrschaft Geiersberg, Königgrätzer Kreises in Böhmen / von Stephan Weinar
Entstehung
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man aber ſtatt desſelben anwenden, wenn ſeine Herbeiſchaffung mit zu großem Koſten- und Zeitaufwande verbunden oder ganz un möglich iſt, was oft vorkommt? In dieſem Falle bediente ich mich, nachdem die Sohle bis auf circa zwei Zoll aus irgend einer an dern Erd- und Bodenart geſchaffen war, mit Vortheil zur ober ſten Schichte recht dichter und bewurzelter Raſenplatten. Mehrere auf dieſe Art zu Stande gebrachte Gräben haben ſich ſehr probat ge zeigt, weßhalb ich auch bei Ermanglung eines beſſern Materials dieſe Aushülfe in jeder Beziehung anempfehle.

Daß, obwohl der Raſen mit ſeiner Grasnarbe auf die Sohle zu liegen kommt, das Wurzel-Wachsthumvermögen ſich dennoch äu ßert und die Sohle bald mit einer Grasnarbe überzieht, führt keinen andern Nachtheil herbei, als daß dergleichen Gräben jährlich einer zwei-, höchſtens dreimaligen Ausputzung mit der Sichel bedürfen, was hier gegen Bezug des gewonnenen aber meiſt verſchlemmten Graſes von armen Leuten verrichtet wird.

Hat man die Sohle der erſten Diſtanz auf dieſe Art geſchaf⸗ ſen, ſo wird zum Bau des Grabens auf ſchon beſchriebene Art geſchritten.

Die Beſtimmung der Breite des Grabens hängt lediglich von der Größe der zu bewäſſernden Fläche ab. Hier rathe ich, damit Nachahmer nicht in dieſelben Fehler, wie der Verfaſſer ſelbſt, ver fallen, beſonders die für die Wieſe benöthigte Waſſer-Quantität vorher genau zu berechnen und darnach die Breite des Grabens zu beſtimmen. Daß dieſelbe am Einlaß- oder Auffangspunkte am weiteſten und höchſten, gegen das Ende der Bewäſſerungsanlage aber immer enger und niedriger werden muß, wird jedem ſelbſt in dieſer Arbeit nicht Bewanderten einleuchtend ſeyn. Nach der im Plane Tafel IV angeführten Zeichnung erhielten beide Bewäſ⸗ ſerungsgräben eine obere Lichtenbreite von 36, zur Sohle 12 und zu ihrer Höhe 20 Zoll. Aus dem eben Angeführten wird man zur Genüge erſehen, daß der Verfaſſer, wenn der Zufluß nicht bei e und k hätte bewerkſtelligt werden können, wohl nie genug Waſſer erhalten hätte, um ſämmtliche Ausläufe bis an das Ende der Anlage damit vollſtändig verſehen zu können. Einzig und al lein iſt es nur dem Zufalle zu danken, daß man bei dieſer erſten Ausführung nicht großes Lehrgeld zahlen mußte; denn unter andern Verhältniſſen hätte man ohne bedeutende Opfer dieſes Verſehen nicht wieder gut machen können.