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Der Kunstwiesenbau : praktisch dargestellt auf der hochgräflich von Nimptsch'schen Herrschaft Geiersberg, Königgrätzer Kreises in Böhmen / von Stephan Weinar
Entstehung
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doch führt dieſe Kleinigkeit unüberſehbare Schwierigkeiten mit ſich, die über kurz oder lang erſt vollſtändig als ſolche ſich realiſiren. Kann man es durch ein nachbharliches Einverſtändniß, wenn man näm lich durch Hinderniſſe gezwungen ſeyn ſollte auf fremdem Grund und Boden daͤs Auffangen des Waſſers zu bewerkſtelligen, dahinbringen, ohne Anſtand auf des Nachbars Grunde zu bauen, ſo darf man keine Koſten ſparen, um den Einlaßpunkt des Waſſers in den Zuleitungs graben gleich von, oder, was noch beſſer wäre, unter der Sohle des Baches zu nehmen, weil durch dieſes Verfahren nicht nur einem höchſt koſtſpieligen Schleuſenbaue vorgebeugt wird, ſondern weil auch bei trockener Jahreszeit die geringſte im Bache befindliche Waſſer quantität erhalten werden kann, was bei einem noch ſo fleißig her und geſtellten Schleuſenbaue nicht ſo leicht werden dürfte. Hat man uka⸗ aber den Einlaßpunkt des Waſſers unter der Sohle des Baches

oder Fluſſes erhalten können, ſo fließt dasſelbe, ohne eine anderwei

tige Vorrichtung als höchſtens eines in zwei Säulen(in denen je

doch Pfalze angebracht werden müſſen) eingeſchobenen Brettes, ſchon ſe⸗ genugſam in die mit etwas Gefälle verſehene Leitung.

Was die Anlage der Hauptbewäſſerungsgräben, deren Grän ze, wegen Arondirung der Wieſe, auf das Genaueſte ſchon vor dem an geſtellten Nivellement angewieſen war, anbelangt, ſo traten, bei dem beſtimmten Gange derſelben, Hinderniſſe ſolcher Art entgegen, daß des die Koſten des Baues derſelben, wegen der großen Ab- und Auf 1 tragung, um mehr als den dritten Theil vermehrt wurden. Da je doch der Herr Graf den Wunſch beſtimmt ausgeſprochen hatte, dieſe ſſer Wieſe als Muſter und Vorbild einer ſyſtematiſch geregelten Be

wäſſerung ausgeführt zu ſehen, ſo mußte man auch alle jene Hin⸗ 15 derniſſe, wenn auch mit großen Opfern, zu beſeitigen ſuchen.

2 Die Länge der aufzubauenden beiden Bewäſſerungsgräben, ln die man in der Tafel IV unter e und oafindet, betrug 695 Current

9 klafter, und da ihr Gang bereits genau abgeſteckt war, ſo ging man

55 ſogleich zur Abwage der Sohle und es wurde pr. Klafter eine De⸗ gen cimal-Linie als Gefälle beſtimmt.

19, Da es vielleicht manchem der geneigten Herren Leſer ange her⸗ nehm iſt zu erfahren, wie das Gefälle der nun zu bildenden Sohle hat⸗ gegeben wird, ſo führe ich als Erläuterung und zur Hebung aller be⸗ Zweifel folgendes Verfahren an: Durch das bereits vorgenommene Nivellement der Wieſe, ſo wie aller auf derſelben befindlichen Hohen⸗ ſten punkte, hat ſich, wie ich bereits erwähnte, der Einlaß- oder Auf