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Der Kunstwiesenbau : praktisch dargestellt auf der hochgräflich von Nimptsch'schen Herrschaft Geiersberg, Königgrätzer Kreises in Böhmen / von Stephan Weinar
Entstehung
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22 lich der Fall, ſo ſteht ein ſolches Zereißen ſchon bei einem Gefalle von 2 pr. Klafter zu befürchten.

Durch das vorher Geſagte habe ich erſt ein allgemeines Bild dieſer Bewäſſerungsmethode gegeben und deren Nützlichkeit im All gemeinen, ſo wie deren häufige Anwendbarkeit, gezeigt; bevor ich weiter gehe, werde ich noch den Verſuch machen, zu erklären, wie man am leichteſten die horizontalen Grippen ſchaffen und auf das Sicherſte herſtellen kann. Geduld iſt jedoch während dieſer Arbeit hauptſächlich nothwendig. Bevor man zur Abwage der Grippen ſchreitet, benöthigt man nebſt einem genau rectificirten Nivellir⸗ Inſtrumente:

1) Eine bis 20° lange Schnur; 2) mehrere Schock bis 24 lange Pflöcke; 3) das gewöhnliche Grabſcheid, und 4) die in Tafel II unter Fig. 4 bezeichnete Grippenſchaufel. Man könnte ſich wohl auch hier der, in derſelben Tafel unter Fig. 5 erwähnten und an geführten Schrottwage bedienen; aber wie langſam und mühſam nicht nur, ſondern auch höchſt unverläßlich die Ausführung dieſer Arbeit dadurch wird, iſt mir aus Erfahrung nur zu bekannt, als daß ich Jemanden dieſe Manipulation anempfehlen möchte.

Hat man beim Beginn der Arbeit das Terrain im Speciellen beſehen und beſonders überlegt, wo mit der horizontalen Grippe an der vertikalen Zuleitungsgrippe angefangen werden muß, um viel leicht eine nebenliegende Erhebung der Wieſe zu erreichen, ſo wird der Gehülfe mit der Nivellirlatte am Rande der vertikalen Grippe aufgeſtellt und der Streifen des Zielbrettes mit dem Viſirſtrahl des Inſtruments feſtgeſtellt. Nun wird der Punkt durch den Ge hülfen vermittelſt eines Pflockes marquirt und der fernere Lauf der Grippe gleich einer horizontal abzuwägenden Linie durch das Aufſuchen des mit dem früher bezeichneten und correſpondiren den Punktes beſtimmt. Sind nun zwei Punkte auf dieſe Art be kannt, ſo wird, auf die eben beſchriebene Weiſe, der 3. 4. und 5. Punkt und überhaupt ſo viele aufgeſucht, als man nöthig hat. Da dann nach der bekannten Regel dieſe Punkte mit dem erſten im vollkommenen Niveau liegen, ſo müſſen auch alle zuſammen hori zontal ſeyn. Beſonders mache ich noch darauf aufmerkſam, daß der Gehülfe die Nivellirlatte immer genau vertikal halte, ſie auch auf keine zufälligen, veränderlichen, zum Terrain nicht unmittelbar gehörigen Erhöhungen oder Vertiefungen, als z. B. Steine, Maul wurfshaufen, Fußſtapfen in weichem Boden u. ſ. w., ſondern in