2 ganz Syſtematiſches und Vollſtändiges über Bewäſſerung über⸗ haupt vorzutragen— doch einige allgemeine Grundzüge der ei— gentlichen Bewäſſerungskunſt zuerſt hervorheben und nähere Erör⸗ terungen darüber voranſchicken, um ſo bei dieſen einzeln dasjenige Bemerkenswerthe verſinnlichen zu können, was Einfluß auf das auszuführende Ganze hat.
Es ſind vornehmlich nachſtehende zwei Hauptfragen in Be— tracht zu ziehen:
1¹) Auf welche Art bringt man das Waſſer zum Bewäſſe— rungsplatze?
2) Wie wird das Waſſer auf der Wieſe vertheilt und wieder abgeleitet?
Was nun zuerſt die Herbringung, Zuleitung des Waſ— ſers zum Bewäſſerungsplatze betrifft, ſo kann dieſe in mannichfa— cher Art geſchehen. Vor allem Andern muß aber erſt unterſchie⸗ den werden: ob das zum Bewäſſern beſtimmte Waſſer unter oder über dem Niveau(Horizontalfläche, Waſſerſpiegel) der zu bewäſſern⸗ den Fläche liegt?
Ich nehme an, daß die zu bewäſſernde Fläche unter dem Niveau des Waſſers liegt, jedoch mit der Modification, daß dieß, da hier das Waſſer aus einigen Bächen, welche mit Gefälle ſich durch und neben den Wieſen hinſchlängeln, genommen werden ſoll, nicht von jedem Punkte des Laufes dieſer Bäche geſagt wer- den kann, ſondern daß es nur für einzelne Stellen gilt, wo das Waſſer höher fließt, als die zu bewäſſernde Wieſe liegt.
Die Ausmittelung des höhern oder niederern Standes und Laufes des Waſſers muß daher zu allererſt durch genau ange— ſtelltes Nivellement geſchehen, da das Auge zu ſehr trügt und es hier oft nur auf Linien ankommt.— Auch muß ich hier zugleich erwähnen, daß zu dieſer Vorarbeit, der großen Genauigkeit wegen, die allbekannte Canalwage nicht gebraucht werden kann, ſondern, daß man ſich ein tüchtiges Perſpectiv— Nivellir-Inſtrument oder auch nur eins mit Ocular-Dioptern und doppelten Waſſerwagen zu verſchaffen ſuchen muß. Wer im Nivelliren nicht geübt iſt, dem rathe ich, ſich einen Sachverſtändigen dabei zu Hülfe zu nehmen und durch denſelben zugleich ein Abwägen der ganzen Fläche in mehrern Richtungen zu veranlaſſen; denn es genügt nicht im— mer, daß man durch ein ſolches Nivellement die Gewißheit erlangt


