Ueber den Serviere’schen Dampfbrennapprat.
Es ist neuerdings’ ein Aufsatz eines Herrn Serviere, vom Jahr 1810, wieder zur Sprache gekommen, worinn gedachter Herr Serviere aller Dampfbrennerei den Stab bricht, indem er Behauptungen aufstellt, von tvelchen es unbegreillich ist, dass man darin etwas anders, als den Beweis finden kann, dass die An- wendung des Dampfes in der Branntweinbrennerei seitdem— schr erfreuliche Fortschritte gemacht hat. So soll z. B.„die Dampfbrennerei dreimal so viel Brennmaterial erfordern, als die gewöhnliche Methode.“ Dass dies bei der fehlerhaften, aller wissenschaftlichen Combination ermangelnden Anlage, welche Hr. S. beschreibt, nothwendig der Fall gewesen sein muss, er- klärt sich schon daraus, dass Hrn. S.’s Maischblase 90 Kubik- fuss Maische fasste— ein Umstand, der allein schon beweis't, dass derselbe von der Wiederbenutzung der durch die Verdichtung und Abkühlung des Destillats freiwerdenden\Yärme. keine Ah- nung hatte(5.4 u.5 u.5 u.9 der Anlagen).— Ferner soll die Maische„den eindringenden Dämpfen einen ausserordentli- chen Widerstand leisten, der nur durch die grosse Intensi- tät der Hitze und die äusserste Compression der Dämpfe überwältigt werden könne.“ Was Hr. S. damit wohl gemeint ha- ben mag? Hätte Hr. S.'nur einmal in die Damplleitungs- Röhre seiner Maischblase zu blasen versucht: so würde er gefunden haben, dass schon eine gewöhnliche Anstrengung der Lunge hinreicht, be- sagten ausserordentlichen Widerstand zu überwinden, und hätte er die Temperatur seines Dampfes kennen zu lernen sich bemüht, bevor er darüber, geschrieben; so würde er sich über- zeugt haben, dass besagte grosse Intensität derHitzekaum um„!, die des siedendenden\Vassers übersteigt!
Hätte Hr, S. sein Brenngeräth mit einer Blase von etwa 26 Kubikfuss Rauminhalt versehen, seine 90 Kubikfuss Maische in fünf Füllungen vertheilt, die Blase nur 2 Fuss hoch mit Maische gefüllt, und einen zweckmässigen Maischwärmer angebracht: so hätte er, obgleich ein solcher Destillir-Apparat immer noch sehr unvollkommen gewesen wäre, wenigstens die Hälfte der Zeit und des Brennmaterials erspart, die Spannung der Dämpfe würde kaum A Pfd. auf den Zoll betragen und ihre Temperatur kaum 2 Grad über die Siedhitze des Wassers gestiegen sein.
Zur Würdigung der Urtheilsfähigkeit des Herrn Serviere über Dampfbrenngeräthe, dürfte dies genug sein.
Gall.
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Gedruckt in der Nauckschen Buchdruckerei in Berlin.
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