2.
verwendet es zur Nahrung für ſeinen vorhandenen Viehſtand, dieſer bleibt geſund, wenn die mit der Krankheitsanlage behaftet geweſenen Stücke daraus durch Herſtellung oder Tod ausgeſchieden ſind. Und wer hat den Anſteckungsſtoff aus dem Futter entfernt, wer hat es desinficirt?— Niemand!—
Andererſeits will eine ſolche Anordnung auch nicht zweckentſpre— chend und zum Wohl des Landes nicht geeignet ſcheinen, weil, abge— ſehen von dem gehemmten Verkehr, die ſchon empfundene Angſt und Bekümmerniß des Viehbeſitzers bei der ausgeſprochenen Anſteckungs⸗ fähigkeit der Krankheit und bei ſeiner Unbekanntſchaft mit den Heil⸗ mitteln dagegen, dadurch nur noch vermehrt, ſein Vertrauen geſchwächt und ſeine Thätigkeit und ſein Muth gelähmt werden und doch iſt das von dieſer Krankheit befallene Rindvieh nur durch eine ſchnelle, muthvolle, thätige Wirkſamkeit allein vom Untergange zu retten.
Mögten wir auch in dieſem Fall aus dem Jahr 1831, wo ſich unter den Menſchen eine bösartige Brechruhr mit Krämpfen begleitet (Cholera genannt) verbreitete, welche eine ſolche Anſteckungsfähigkeit beſitzen ſollte, daß jeder geſunde Menſch bloß vom Anſehen eines da⸗ von befallenen Kranken erkranken müßte, eine Belehrung nehmen. Denn ſo lange der Bruder ſich von ſeinem unglücklichen Bruder mit Abſcheu abwendete, ſtarb alles dahin; als man aber wahrnahm, daß Räucherungen, Päſſe und Abſperrungen nicht ſchützten, hob ſich der Muth und das Vertrauen wieder, der Bruder reichte ſeinem unglück⸗ lichen Bruder liebreich die Hand und die Mehrzahl wurde wieder her— geſtellt und ebenſo wird es mit dem von der Lungenſeuche befallenen Rindvieh geſchehen, wenn ihm ohne Furcht und Zagen eine ſchnelle, ſorgſame Hülfe gewährt wird und die angebliche Anſteckungsfähigkeit wird dann gleichfalls ihren Laufpaß erhalten.
2
3. Gelegenheitsurſachen der Lungenſeuche des Rindviehes.
Zuvörderſt erlaube ich mir zu bemerken, daß es wohl unbeſtritten ſein mögte: daß auch die einzelnen Lebensorgane des thieriſchen Körpers nicht alle gleich ſtark und kräftig gebildet ſind, ſondern daß hierunter ein ſehr weſentlicher Unterſchied ſtattfindet, was ſich auch noch beſonders durch die verſchiedenen Krankheitsformen erklärt; nicht minder unbezweifelt mögte es wohl ſein: daß auch die Thiere durch die Nahrung, welche ſie zu ſich nel


