50 zuwohnen, ſei es mir vergönnt, zum allgemeinen Beſten auch meine Erfahrungen über Schlempefüͤtterung und Lungenſeuche mitzutheilen.
Seit 27 Jahren im Beſitz einer Brennerei, von der durchſchnitt⸗ lich 5— 6000 Rthlr. Blaſenzins und Maiſchſteuer bezahlt wurden, und eines Rindviehſtandes von 110— 130 Stück, den ich im Winter, Früh⸗ jahr und Herbſt mit Schlempe fütterte, verlor ich, zu meinem Glücke, noch nie Ein Stück Rindvieh an der Lungenſeuche. Dieſelbe Er⸗ fahrung machte mein Bruder, der Rittergutsbeſitzer Paalzow auf Meſendorf in der Priegnitz, obgleich er, bei Mangel an Heu, noch weit ſtärker als ich Schlempe füttern mußte, und fütterte. Daſſelbe war bei mehreren andern, mir genau bekannten Brennereibeſitzern, in weiterer Entfernung von Berlin und Potsdam, der Fall und ſelbſt der Guts⸗ und Brennereibeſitzer Herr Ichlin, zu Dyrotz, kannte 30 Jahre hindurch und ſo lange die Lungenſeuche nicht, als er bloß Rind— vieh mäſtete und nicht Milch verkaufte!
Bald aber, nach dieſem Zeitpunkte, bei öfterem Wechſel ſeines Kuhviehbeſtandes, erhöhter Fütterung und dem ſteten Streben, den Milchertrag zu erhöhen, machte auch er mit der Lungenſeuche Bekannt⸗ ſchaft und theilte mit den meiſten Brennereibeſitzern und Milchverkäu⸗ fern bei Berlin und Potsdam daſſelbe Loos.— Zu letzteren rechne ich den Rittergutsbeſitzer und Amtmann Stielow zu Mötlow, der weder hier noch in Karzow bei Potsdam, eine Brennerei hat und dennoch nicht unbedeutend an der Lungenſeuche Rindvieh verlor.
Ebenſo könnte ich eine Menge von Aemtern und Gütern im Her⸗ zogthum Magdeburg, jenſeits der Elbe, im Anhaltiſchen, Mansfeld⸗ ſchen und in Schleſien namhaft machen, wo die Lungenſeuche, ohne Schlempefuͤtterung, zu jeder Jahreszeit, durch übertriebene Som⸗ mer⸗ und Winterfütterung ausbrach und den Beweis lieferte:
daß übertriebene Füͤtterung leicht den Geſundheitszuſtand des
Rindviehs verderben und Lungenſeuche zur Folge haben kann, von
noch nachtheiligerem Einfluß aber ſein muß, wenn der Viehſtand
jährlich durch Zu⸗ und Verkauf verändert und erſetzt wird.
Dieſelben Erſcheinungen liefern auch die Schäfereien, wo ſtets
Mangel und Hunger mit Ueberfluß wechſelt und es dem Beſitzer un⸗ möglich iſt, ſeine Schäferei ſtets gleich zu weiden und zu füttern; und ebenſo iſt mit Beſtimmtheit anzunehmen, daß der größte Theil armer Leute, bei plötzlich veränderter Lebensart, die beſten und fetteſten Spei⸗ ſen, nebſt ſtarkem Bier und Wein, in Maſſe genoſſen, nicht ertragen, vielmehr dieſer Schwelgerei unterliegen und erkranken würde!
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