Teil eines Werkes 
2/3: Zweite u. dritte Abt., Viehzucht und Gewerbelehre
Entstehung
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Ueberall, wo reiche Weiden ſind, und wo die Thiere, wenn ſie nicht auf die Weide gehen, reichlich im Stalle ge fuͤttert werden, findet man großes Rindvieh. Trockene, ma⸗ gere, ſandige Gegenden haben auch kleines mageres Vieh.

Großes Vieh in duͤrftige Gegenden auf kaͤrgliches Futter gebracht

wird bald klein; kleines dagegen in guͤnſtigen Verhaͤltniſſen

nur nach mehren Generationen merklich groͤßer.

37. Die Groͤße, die immer nur von der Menge der Nahrung abhaͤngt, und leicht zu veraͤndern iſt, kann demnach nicht als ein lange Zeit dauerndes Merkmal einer Raſſe ange⸗ ſehen werden; Koͤrperbau und Farbe kommen als bleibendere Raſſezeichen mehr in Betracht. Auf jenen ſcheint die Art und Weiſe, wie ſich in ſeiner Geburtsgegend das Rindvieh im freien Zuſtande ſeine Nahrung von jeher ſuchen mußte, den hauptſaͤchlichſten Einfluß gehabt zu haben, und es laͤßt ſich wohl annehmen, daß dadurch vornehmlich ſaͤmmtliche Rind⸗ viehraſſen auf zwei Hauptraſſen, die Bergraſſe und die Niederungsraſſe zuruͤckgefuͤhrt worden ſeien. Alle uͤbri⸗ gen Raſſen ſtehen zwiſchen ihnen inne.

Typus der erſteren iſt das Tiroler Miyedüehz der zweiten das hollaͤndiſche Vieh.

38. Bei der Bergraſſe findet man eine uͤberwiegende Staͤrke in den Hintertheilen, bei der Niederungsraſſe in den Vordertheilen. Ferner iſt bei jener der Korf verhaͤltnißmaͤßig breiter, der Hals kurz und gedrungen, die Hoͤrner nach der

Seite geſchweift, der Schwanz hoch angeheftet. Bei der

Niederungsraſſe dagegen der Kopf ſpitziger, der Hals laͤnger und duͤnner, die Hoͤrner mehr nach vorn ſtehend, das Kreuz abgeſchliffen und der Schwanz tief angeheftet. Die Urſachen dieſer Unterſcheidungszeichen duͤrften wohl nur in der Lebens⸗ weiſe, in der Art, wie ſich die Thiere auf der Hoͤhe oder in der Tiefe die Nahrung ſuchen muͤſſen und in der verſchiedenen Einwirkung der ſtaͤrkenden Bergluft und der kraͤftigen Alpen kraͤuter auf den Koͤrper im Gegenſatz zu der erſchlaffenderen Luft und der maſtigen Nahrung in den Niederungen liegen.