Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812)
Entstehung
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Die Pferde. 237

jedoch von andern ſehr geruͤhmt. Weizen kommt als Pferdefutter nur ſelten vor, und einige haben ihn, wo er im Nothfalle gefuͤttert wurde, hoͤchſt ſchaͤdlich befunden, was mir aber bei genauerer Nachfrage nur daher zu ruͤhren ſchien, daß er nicht gehoͤrig mit Haͤckſel angemengt war, ohne welchen er freilich den Magen ſehr leicht wird verkleiſtern koͤnnen. Ich habe ihn einmal, wie er gegen andres Getreide im geringen Preiſe ſtand, mit dem beſten Er folge, aber mit vielem Haͤckſel gemengt, gefuͤttert.

Die Rationen eines Pferdes werden gewoͤhnlich nach Hafer, als dem gewoͤhnlichſten Futter, beſtimmt. Aber kein Getreide iſt ſo ungleich in ſeinen Nahrungstheilen, wie der Hafer in einem gewiſſen Maaße. Es haben daher mehrere ſehr richtig den Grundſatz angenommen, nach dem Gewichte und nicht nach dem Maaße zu fuͤttern, oder dieſes doch nach jenem zu mo⸗ difiziren. Es kommt zuweilen Hafer vor, wovon die Metze etwas uͤber 32 Pfd. wiegt, und andrer, der 48 Pfd. ſchwer iſt. In dem Falle erſetzt aber jener leichtere Hafer den ſchweren nicht, wenn man die Fuͤtterung auch nach dem Gewichte einrichtet, 9 Maͤßl. von dem leichten nicht 6 Maͤßl. von dem ſchweren, weil man bei gleichem Gewichte unter jenem mehr Huͤlſen und weniger Mehl hat, wie unter dieſem. Es ſind wahrſcheinlich 10 Maͤßl. von dem 32 pfuͤn⸗ digen Hafer noͤthig, um 6 Maͤßl. von dem 48 pfuͤndigen zu erſetzen. Wenn man 43 pfuͤndigen Hafer, was ſchon ein ſehr guter Hafer iſt, annimmt, ſo rechnet man bei uns auf ein Acker⸗ pferd mittlerer Groͤße bei gewoͤhnlicher Arbeit taͤglich 3 Maͤßl. oder 8 Pfd. Hafer, wenn es dabei 7 Pfd. Heu bekoͤmmt, und hierbei koͤnnen Pferde dieſes Schlages im Durchſchnitt gut beſtehen, muͤſſen jedoch bei ungewoͤhnlichen Arbeiten eine Zugabe erhalten. Kleineren Pferden, die nicht angeſtrengt werden, giebt man außer der ſtarken Arbeitszeit auch nur 2 Maͤßl., und

haͤufig dies auch nur von leichterem Hafer. Dem groͤßeren Schlage Pferde in Sachſen, Weſt⸗

phalen, Bayern, Oeſtreich werden wenigſtens 4 Maͤßl. oft 5 Maͤßl. im Durchſchnitt gegeben, und die Pferde der Frachtfahrer erhalten nicht ſelten 8 Maͤßl., zumal wenn ſie wenig Heu und auch keinen Haͤckſel bekommen. Der Unterſchied von 3 Maͤßl. und 5 Maͤßl., jene bei kleine⸗ ren, dieſe bei großen Pferden findet haͤufig Statt, ohne daß man in der Beleibtheit, Staͤrke und Vollfuͤhrung der gewoͤhnlichen Arbeiten einen betraͤchtlichen Unterſchied wahrnehme; wor⸗ aus der Vorzug des kleineren Schlages hervorgeht, falls man nicht beſtaͤndig große Laſten zu ziehen hat; welche, wenn ſie einmal vorkommen, doch durch die Anſpannung mehrerer ge⸗ zwungen werden koͤnnen. 3.

Das haͤufigſte Subſtitut des Hafers, der Rocken, wird, zum halben Maaße oder rich⸗ tiger, zum halben Gewichte gegeben, daſſelbe leiſten. Einige nehmen das Verhaͤltniß des Rok⸗ kens zum Hafer bei der Pferdefuͤtterung nur wie 7: 12 an, geſtehen dann aber, daß ſich ihre

Pferde bei jenem beſſer, wie bei dieſem ſtaͤnden..

Die Koͤrner der Huͤlſenfruͤchte, Erbſen, Wicken und die der allgemeinen Meinung vor⸗ zuͤglich fuͤr Pferde geeigneten Bohnen, ſchaͤtzt man in der Fuͤtterung zwar nur dem Rocken gleich. Sie ſind aber beſtimmt ſtaͤrker, wie aus dem, was§. 125. uͤber ihre Nahrungstheile geſagt worden, erhellet, und wie diejenigen, welche dieſe Fuͤtterung kennen, beſtaͤtigen. Sie die⸗ nen in manchen Gegenden faſt zur einzigen Fuͤtterung der Pferde, und es iſt insbeſondere un⸗ richtig, was einige behaupten, daß Pferde dabei den freien Athem verloͤren; die Englaͤnder geben ſie ohne Bedenken den Wettrennern. Das Vorurtheil fuͤr den Hafer und gegen jedes andre Korn, ſetzt ſich hauptſaͤchlich dadurch feſt, daß man ein jedes Uebel, welches aus ganz andern Urſachen herruͤhrt, wenn es bei einer ſolchen, in einer Gegend ungewoͤhnten Fuͤtterung

entſteht, lediglich auf dieſe ſchiebt, und Jahre lang davon erzaͤhlt, da man doch deſſen Grund,

wenn Hafer gefuͤttert worden, anderswo wuͤrde geſucht und gefunden haben. Indeſſen iſt