Die Pferde.
1 Die Sohneidezaͤhne wechſeln, und an ſel bigen erkennt man vor allem das Alter. So lange das junge Thier ſeine erſten Zäͤhne noch ſaͤmmtlich hat, naͤmlich 3 bis 2 ½ Jahr lang, heißt es Fuͤllen.
Im dritten Jahre fallen die vorderen heiden Zaͤhne, zuerſt mehrentheilsi in der unteren Kinnlade, aus, und die Luͤcke wird nun durch zwei neue ausgefuͤllt. Dieſe unterſcheiden ſich Anfangs durch eine ſchmutzig gelbe Farbe, haben oben eine Hö hlung v von ſchwarzer Farbe, die Vohne genannt. Jetzt heißt das Thier ein junges Pferd. 1
Im vierten Jahre wechſeln die beiden zunaͤchſt ſtehenden auf eben die Weiſe. Die erſten Wechſelzhne haben ſich mehr ausgefuͤllt, ſind weißer, die braune Bohne iſt blaſſer geworden.
Im fuͤnften Jahre wechſeln die aͤußerſten auf eben die Weiſe, und von dem Zeitpunkte an heißt das Thier ein Pferd, ein friſches Pferd.
. Die drei Paar Schneidezaͤhne verlieren in der Drdnung, wie ſie entſtanden ſind, ihre Zeichnung wieder. Im ſiebenten Jahre verliert ſich die Bohne bei den mittelſten, im achten
Jahre bei den nachſiſtehenden, und im neunten Jahre ſind auch die aͤußerſten nicht mehr ge⸗
zeichnet.
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So verhaͤlt ſichs gewoͤhnlich, indeſſen inden Ausnahmen, beſonders bei gewiſſen Racen
Statt. Einige, und zwar die beſſern Pferde, wechſeln ſpaͤter, und dann verliert ſich auch erſt ſpaͤter jene Zeichnung der Zaͤhne. Dieſe Pferde ſind dann aber immer dauerhafter und erreichen ein hoͤheres Alter, weswegen ein Pferd, welches ſeine Zeichnung läͤnger behaͤlt, hoͤchſt ſchaͤtzbar iſt. 3 Roßtaͤuſcher ſuchen aber dieſe Zeichen durch Ausmeißeln und Brennen bei aͤlteren Pferden nachzuahmen, und manchmal thun ſie es mit ſo vieler Geſchicklichkeit, daß ein aufmerkſames Kennerauge dazu gehoͤrt, um es zu entdecken. Selten koͤnnen ſie jedoch die Ordnung in der Ausfuͤllung und Verbleichung der Bohne richtig nachahmen. Der Huf iſt bei dem Fällen und 8 jungen Pferde immer laͤnger als er breit iſt, wird nach und nach breiter als er lang iſt Doch finden hierbei auch Kuͤnſteleien Statt, die beim erſten Anblicke truͤgen koͤnnen. Nach dem zehnten Jahre bemerkt man, daß ſich der erſte Schwanzwirbel vom letzten Ruͤckenwirbel abſondert, und dies nimmt dann mit dem Alter der Pferde zu, ſo daß der Zwi⸗ ſchenraum immer weiter wird. Das Zahnfleiſch zieht ſich bei hoͤherem Alter mehr zuruͤck, und die Zaͤhne erſcheinen laͤnger, bekommen zugleich eine kalkweißere Farbe. Die Augengruben werden tiefer, die Haare um die Augen färben ſich weiß, der After ſenkt ſich mehr in den Leib, die Lippen ſchließen nicht mehr. Wenn dieſe Zeichen ſich einſtellen, iſt es ein altes Pferd, 4 und der Werth eines Pferdes in Hinſicht ſeiner zu erwartenden Ausdauer richtet ſich mehr nach dem Grade dieſer Zeichen, als nach den eigentlichen Jahren, indem manche Pferde ſchon im vierzehnten Jahre faſt unbrauchbar werden, andere dagegen bis zum zwanzigſten und ein und . zwanzigſten(ja man hat Beiſpiele von noch aͤlteren, und ich habe ein Pferd gekannt, was im 3 vier und zwanzigſten Jahre noch zur reitenden Poſt gebraucht wurde) aushalten. 3
§. 136.
Die gewoͤhnlich te und Hauptfuͤtterung eſteht i in Koͤrnern, und man halt gewoͤhnlich den Hafer fuͤr das angemeſſenſte. Wenn indeſſen anderes Getreide in Verhaͤltniß ſeiner Nahrhaf⸗ tigkeit mit mehrerem und feinem Haͤckſel, welcher die Stelle der Huͤlſen beim Hafer vertritt,
gefuͤttert wird, ſo haben aufmerkſame Beobachter nicht den geringſten Unterſchied dabei be⸗ merkt. Am haͤufigſten braucht man den Rocken als Surrogat des Hafers. Die ungeſchrotene Gerſte wird von einigen getadelt, weil ſie groͤßtentheils unverdauet wieder abgehen ſoll, wird
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