Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812)
Entstehung
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Oas Befallen.

24 Getreidearten.

§. 30.

Der Honigthau, das Befallen, die Lohe, der Roſt, ſcheinen mir nahe ver⸗ wandte Krankheiten oder doch wenigſtens eines Urſprungs zu ſeyn. Landwirthe verſtehen unter dem Befallen und Lohe, den Honigthau und den Roſt, und auch mir ſcheint letzterer immer

eine Folge des erſtern zu ſeyn. Der Honigthau iſt eine klebrige, ſuͤße, dem Honig ſehr aͤhn⸗ liche, und folglich auch den Bienen ſehr angenehme Feuchtigkeit, die aus den Pflanzen aus⸗

ſchwitzt. Denn daß ſie vom Himmel herabfalle, wird jetzt wohl niemand mehr glauben, da ſie ein Gewaͤchs ganz uͤberzieht und ein dicht daneben ſtehendes voͤllig frei davon iſt. Indeſſen liegt die veranlaſſende Urſach ohne Zweifel in der Atmoſphaͤre, und das Uebel entſteht, wenn

in der Mitte des Sommers und bei dem vollſaftigen Zuſtande der Pflanzen, in und nach der

Bluͤthe, ſchneller Wechſel der Luft vorgehet, auf Waͤrme ploͤtzlich Kaͤlte folgt, und iſt eine Erkaͤltungskrankheit der Pflanzen. Auf einigen Pflanzen, z. B. auf den Bohnen, erzeugen ſich dann ſogleich eine Menge von Inſekten, Aphiden, die wohl unbezweifelt die Folge, aber nicht die Urſach der Krankheit ſind. Bei dem Getreide bemerkt man nur ein kleines rothes Inſekt, aber nicht haͤufig. An der ganzen Pflanze aͤußert ſich aber eine Entkraͤftung, ihre Vegetation und fernere Ausbildung ſtockt. Erfolgt bald eine guͤnſtigere Witterung und beſonders ein

wohlthaͤtiger Regen, ſo erholt ſich die Pflanze manchmal wieder. Jedoch bekoͤmmt ſie ge⸗

woͤhnlich gelbe Flecke an den Stengeln und Blaͤttern, die immer brauner werden, dann platzen und einen braunen Staub von ſich geben. Dies nennt man eigentlich den Roſt, und ich habe ihn faſt immer als Folge des Honigthaues gefunden. Die Botaniker haben ihn laͤngſt fuͤr kleine Blattſchwaͤmme gehalten, und der Praͤſident der engl. Akademie der Wiſſenſchaften, Joſeph Banks, hat dieſes Uebel, welches oft, beſonders in dem Jahre 1804, ſo große Verwuͤſtungen in England anrichtete, in Anſehung ſeiner Geſtalt neuerlich beſchrieben, und unter ſtarker Vergroͤßerung genau abbilden laſſen, in welcher man freilich die Form der Schwaͤmme erkennt.(Die Abhandlung ſteht uͤberſetzt in No. 1. der Landwirthſchaftlichen Zeitung vom Jahre 1806). Die Botaniker halten es fuͤr ein jeder Pflanzenart eigenes para⸗ ſitiſches Gewaͤchs, Aecidium genannt. Mir iſt es bis jetzt noch wahrſcheinlicher, daß es eine Hautkrankheit ſey, die bei den Pflanzen, wie bei den Thieren, ihre determinirte Form ha⸗ ben. Nimmt die Krankheit uͤberhand, ſo zehrt die Pflanze ab, und ſetzt keine oder ſehr zu⸗ ſammengeſchrumpfte Koͤrner an. Die große Hoffnung, welche man auf eine Frucht ſetzte, geht ploͤtzlich verloren.

Die Krankheit iſt in gewiſſen Klimaten und Gegenden haͤufiger, beſonders in ſolchen, wo es viele Nebel giebt. Gewiſſe Feldmarken, die an Mooren angrenzen, werden davon faſt alljaͤhrig heimgeſucht. Aber ſonderbar iſt es, daß der Berberitzenſtrauch dieſes Uebel, oder doch ein ſehr aͤhnliches, in ſeiner Nachbarſchaft auf einem ſehr weiten Umfange erzeugt. Die Thatſache iſt nicht zu bezweifeln, denn es ſtimmen gar zu viele Beobachtungen aus allen Zeiten und von allen Nationen darin uͤberein. Aber wie die Berberitze wirke, iſt noch nicht befrie⸗ digend erklaͤrt. Mein ſeliger Freund Einhof hat hier viele Verſuche angeſtellt, Getreide mit

dem Aecidium zu inficiren, indem er ganz damit bedeckte Zweige der Berberitze, friſch abge⸗

ſchnitten, uͤber das Getreide ſchuͤttelte, oder ſie dazwiſchen ſteckte; aber er hat nie ſeinen Zweck erreicht. Es iſt alſo nicht die Mittheilung dieſes Staubes, ſondern das wirkliche Wach⸗ ſen der Berberitze in der Naͤhe eines Kornfeldes, was die Krankheit hervorbringt. Auch hat man das Uebel nicht bemeret, wenn junge Berberitzenhecken gepflanzt waren, ſondern erſt nachdem ſie heranwuchſen, und dann vermehrte es ſich in ſeinem Umfange von Jahr zu Jah⸗ ren, bis man die Berberitzen ausrottete. Nun war es gleich weg.

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