Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812)
Entstehung
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Getreidearten. 23

Bei dem vorgeſagten iſt zwar hauptſaͤchlich Ruͤckſicht auf das Wintergetreide genommen worden, es findet aber ebenfalls in den meiſten Punkten ſeine Anwendung auf das Sommer⸗ getreide. Das beſondere wird bei jeder Getreideart bemerkt werden.

§. 27.

Unter den verſchiedenen Krankheiten, welche das Getreide, ſo wie manche andere Pflan⸗ Kranrheiten.

zen, doch in verſchiedener Form, waͤhrend ihrer Vegetation treffen, ſind folgende die gewoͤhn⸗ lichſten und die merkwuͤrdigſten. 3

Das Verſcheinen und Verbleichen der Saat, wo die Pflanzen ploͤtzlich eine weiße oder gelbe Farbe, wie bei ihrer voͤlligen Reifung annehmen, und bald ganz duͤrre werden.

§. 28.

Theilweiſe am Gipfel der Pflanze oder an der Aehre erfolgt dies zuweilen von ſpaͤten das Deeſdor⸗

Nachtfroͤſten und Reifen. Dieſer Gefahr ſind die dem Nordwinde ausgeſetzten Seiten und nen.

Anhoͤhen der Felder unterworfen; noch mehr aber feuchte Gruͤnde und vor allem die mit Holz umgebenen Felder, wo gefrorne Duͤnſte ſich am ſtaͤrkſten niederſchlagen und durch ploͤtzliche Erkaͤltung toͤdtlich auf die jungen Aehren wirken.

Ein anderes Verbleichen der ganzen Pflanze oder das eigentliche Verſcheinen erfolgt auf duͤrrem Boden von ſtarker Hitze beim Regenmangel. Es trifft nicht immer die ſandigſten, ſondern mehr ſolche Felder, die nur ſehr flach gepfluͤgt ſind, aber gar nicht ruhen, ſondern im⸗ merfort beackert werden, und die man dabei ſtark und mehrentheils friſch, kurz vor der Be⸗ ſtellung duͤngt; am allermeiſten wenn es mit Pferdemiſt geſchiehet. Ich kenne Feldfluren, wo es in jedem trockenen Sommer das Schickſal des Rockens iſt, welches die Ackerleute daſelbſt fuͤr unvermeidlich halten. Ruhe oder Eindreiſchen des Ackers, tieferes Pfluͤgen und Ueber⸗ ſtreuen der Saat mit Duͤnger wuͤrden aber unfehlbare Mittel dagegen ſeyn.

Vergl. Wilrich uͤber das Verſcheinen der Saaten, Niederſaͤchſ. Annalen Jahrg. IV. St. III, S. 54. §. 29.

Es giebt aber ein Verbleichen des Getreides, welches von dem Verſcheinen ganz Das Verblei⸗

verſchieden iſt und bei uns nicht haͤufig, nur in gewiſſen Jahren und mehr auf feuchten als auf Sen.

trockenen Stellen vorkommt. Die Englaͤnder nennen es the Blight, die Franzoſen la Coulure. Es iſt eine ſchnelle Laͤhmung der Lebensthaͤtigkeit, ein ploͤtzliches Abſterben, ein toͤdtlicher Schlagfluß der Pflanzen. So wie ich dieſe Krankheit in dem regnigen aber warmen Sommer 1802 beob⸗

achtet habe, entſtand ſie fleckweiſe an feuchteren Stellen; heute war eine Stelle von einigen

Fußen bleich geworden, morgen 30 bis 40 Quadratruthen umher. Die Pflanze war ganz weiß und voͤllig duͤrre, ließ ſich leicht aus der Erde ziehen mit ihren großen Wurzeln, die eben ſo weiß und ſo duͤrre waren; aber die feinen Haarwurzeln blieben in der Erde. Es zeigte ſich in jenem Sommer das Uebel auf andern Feldmarken noch haͤufiger wie auf der meinigen, und einige ſchoben es auf ein gewiſſes Inſekt. Ich habe aber durchaus kein Inſekt oder Beſchaͤdi⸗ gung an den Pflanzen gefunden, woraus ich das ſchnelle Abſterben haͤtte erklaͤren koͤnnen. Ein elektriſcher Zuſtand der Luft oder ein ſchnelles Wechſeln der poſitiven und negativen Elektricitaͤt zwiſchen den Luftſtroͤmen und der Erde, den manche Anzeigen verriethen, unerachtet kein aus⸗ brechendes Gewitter nahe war, ſchien mir die Urſach zu ſeyn. Dem Wetterleuchten hat man laͤngſt eine nachtheilige Wirkung auf alle Saaten, beſonders in der Bluͤthezeit beigemeſſen.