Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812)
Entstehung
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Die Saat. 7

Lchnn Diejenigen, welche die Ruͤtzlichkeit einer Saatheränderung unbedingt annehmen, ſind der Jir⸗ darin ſtreitig, ob man ſie von einem ſchlechtern oder beſſern, ſchwaͤchern oder ſtaͤrkern Boden, amenkauf aus einem mildern oder rauhern Klima hernehmen ſolle? Ohne Zweifel daher, wo das

dyſeh Saamenkorn jeder Art am vollkommenſten und geſundeſten iſt. Nicht immer iſt dies der ſtaͤr⸗

kere Boden, das mildere Klima; die Frucht ſteht hier oft zu dicht, iſt den Einwirkungen der Atmoſphaͤre und des Lichts zu wenig ausgeſetzt, um die vollkommenſte Ausbildung des Saa⸗ menkorns zu bewirken; das Korn wird hier oft groß, aber ſtaͤrker an Huͤlſe wie an Mehl,

n dui⸗ welches letztere nur die Nahrung des jungen Pflaͤnzchens ausmacht. Wenn dagegen aber der

uh nid,Boden ſo ſchwach iſt, daß er nicht Nahrung genug zur voͤlligen Ausbildung des Saamenkorns iu Ver⸗ hergiebt, ſo wird dieſes ebenfalls zur Reproduktion vollkommener Pflanzen unfaͤhig ſeyn. So

npfig⸗ oder wird Weizenſaat von einem Boden, der nur erzwungen Weizen traͤgt, eine unvollkommene

der Sant Saat liefern, und eine Erneuerung derſelben von eigentlichem Weizenboden her verlangen.

nicht dabei Es iſt uͤbrigens gewiß, daß bei den Pflanzen wie bei den Thieren, Staͤrke und Schwaͤche,

ihrer fer⸗ Geſundheit und Krankheit, nicht bloß auf die naͤchſte Generation, ſondern auch auf die fol⸗

Nüte zum genden forterbe, und nur allmaͤhlig durch andere Einwirkungen umgeaͤndert werde.

Däehrung, Mißlich bleibt eine Veraͤnderung der Saat immer, wenn man nicht mit der groͤßten

nact habe. Vorſicht dabei zu Werke geht. Insbeſondere hat man auf die Reinheit von Unkrautsſaamen

d, ſo vidd zu ſehen, indem man ſich ſonſt ein vorher nicht gekanntes, hoͤchſt ſchaͤdliches Unkraut, z. B.

brathen dee die gelbe Wucherblume(Chrysanthemum segetum), auf ſeiner Feldmark zuziehen kann. Weiß

man ſeine Saat von gewiſſen Unkrautsſaamen nicht zu reinigen, ſo kann dies eine Veranlaſſung ſeyn, ſie von einem andern Orte herzunehmen. So wechſelt man in meiner Gegend haͤuſfig die Gerſte und Hafer zwiſchen Hoͤhe und Niederung, weil die Saat des letzteren nur mit dem

er Gettih Ackerſenf, welcher auf der Hoͤhe nicht fortkommt, die von der Hoͤhe mit dem Ackerrettig, der ingenommen in Niederung leicht unterdruͤckt wird, verunreinigt iſt. d 1

vo alles fa⸗

endigkeit iſ§. 5.

g nach Einige Saamen behalten, wenn ſie gut aufbewahrt werden, ihre Keimkraft ſehr lange, Dauer der Saa⸗ tt als ver⸗ andre verlieren ſie ſchnell, und duͤrfen kaum uͤberjaͤhrig werden. Bei denen, welche ſich laͤn⸗ men. üt ſorgfäͤl⸗ ger erhalten, findet man indeſſen, daß nur die vollkommneren Koͤrner es thun, die unvoll⸗ zeſchaffen⸗ kommneren hingegen und kraͤnklichen ſie fruͤher verlieren. Hierauf beruht wohl hauptſaͤchlich

zucht nich der Vorzug, welche eine aͤltere Saat bei manchen Gattungen hat, indem aus ſelbiger nur ge⸗

der ganze funde Keime hervorkommen, denen Raum und Nahrung durch Schwaͤchlinge, die doch zu kei⸗ Saamen ner Vollkommenheit kommen, nicht geraubt wird, auch keine Krankheiten, wozu die Anlage

er Hinſicht im Saamenkorne liegt, z. B. der Kornbrand im Weizen, entſtehen. Man muß aber auch in ikte ud. ddieſer Hinſicht die Natur der einzelnen Gewaͤchſe kennen. Vollkommnes Getreide kann ſich orzuͤglichen ſehr lange erhalten und man hat Beiſpiele, daß Kornvorraͤthe, welche in Felſenkellern ſeit un⸗ verkauften. denklichen Zeiten aufbewahrt und zufaͤllig wiedergefunden wurden, zur Ausſaat noch tuͤchtig ſs eine weit blieben. Hierzu gehoͤrt aber vielleicht eine voͤllige Abſchneidung der atmoſphaͤriſchen Einwir⸗ berzeugung kung und aller Feuchtigkeit. Auf gewoͤhnliche Weiſe aufbewahrt haͤlt ſich das Getreide nicht verdanken ſo lange, doch will man fuͤnfjaͤhrigen Weizen und dreijaͤhrigen Rocken zur Saat noch tuͤchtig

der Sgaat befunden haben. Ein⸗ und zweijaͤhriger Weizen wird in der Praxis dem friſchen faſt allgemein⸗ zhalte ich vorgezogen, weil er aus vorerwaͤhnter Urſach vom Brande mehrentheils frei iſt. Beim Rocken anders für ſind die mehrſten Landwirthe anderer Meinung, und ziehen die friſche Saat vor, weil ſie von

gen koͤne, aͤlterer oder uͤberjaͤhriger mehr nehmen zu muͤſſen glauben, und in der That bei gleichem Maaße

weniger davon hervorſticht. Da dieſes aber um ſo geſundere Pflanzen ſind, und dieſe bei der

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