Teil eines Werkes 
Dritter Band (1811)
Entstehung
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Die Heuernte. 159

§. 347-

Man macht ſonſt haͤufig den Unterſchied unter ein⸗, zwei⸗, und dreiſch aͤrigen Wieſen, und bei den erſtern wieder unter den Fruͤh⸗ und Spaͤtwieſen. Dieſer Unterſchied beruht aber ent⸗ weder auf der Kultur, oder gewoͤhnlich auf Rechtsverhaͤltniſe. Denn durch Kultur und privatives Eigenthum koͤnnen alle einſchuͤrige Wieſen zu zweiſchuͤrigen gemacht werden. Jene beſchraͤnkenden Rechtsverhaͤltniſſe ſind aber auf den Wieſen, die man uͤberhaupt laͤnger, wie das Ackerland, als Ge⸗ meingut betrachtete, dem jetzigen Zuſtande der Kultur ſo unangemeſſen, daß man allenthalben, wo man auf Fortſchritte im Wohlſtande der Nation denket, ſelbige abzuaͤndern, oder die Abaͤnderung zum Vortheil aller Intereſſenten zu erleichtern bemuͤhet iſt.

§. 348.

. Die Heuernte iſt eine von den wichtigſten Geſchaͤften des Landwirths, deſſen Vollfuͤhrung die groͤßte Aufmerkſam⸗ keit und Thaͤtigkeit erfordert..

Der gerechte Zeitpunkt fuͤr dieſelbe kann nicht, wie es haͤufig geſchieht, nach dem Kalender be⸗ ſtimmt werden. Er tritt nicht nur nach Verſchiedenheit der Wieſe und der darauf befindlichen Haupt⸗ graͤſer, ſondern auch nach Beſchaffenheit der Jahreswitterung fruͤher oder ſpaͤter ein. Die erſte Regel iſt die, zu maͤhen, wenn die Graͤſer groͤßtentheils ihre Rispen entwickelt haben und in die Bluͤte zu tre⸗ ten anfangen. Denn fruͤher wuͤrde man an der Quantitaͤt, ſpaͤter aber an der Qualitaͤt des Heues verlieren, und es iſt allerdings Ruͤckſicht darauf zu nehmen, auf welche von beiden es mehr ankommt, je nachdem man das Heu ſelbſt benutzen oder verkaufen will. Auch hat das fruͤhere Maͤhen des jun⸗ gen Graſes bei zwei⸗ und dreiſchnittigen Wieſen wieder den Vortheil, daß die zweite Ernte um ſo viel fruͤher komme, und um ſo ergiebiger ſey, und wo man beſonders auf Nachheu rechnet, eilt man mit dem erſten Schnitte. 8 A

Jene Maͤhereife des Graſes tritt aber nach der Jahreswitterung zu ſehr verſchiedenen Zeiten ein. Ein warmes und feuchtes Fruͤhjahr fuͤhrt ſie um drei Wochen fruͤher herbei, als ein kaltes und trock⸗

nes. Manchmal iſt das Obergras ſtark in die Hoͤhe geſchoſſen, das Untergras aber noch ſo zuruͤck,

daß es mit der Senſe kaum gefaßt werden kann, und hier koͤmmt es darauf an, welches am bedeu⸗ tendſten ſey. Zwar wuͤrde däs Untergras, wenn es bis zur erſten Ernte zuruͤckgeblieben, um ſo viel ſaͤrker zur zweiten heranwachſen; indeſſen kann bei einer unguͤnſtigen duͤrren Witterung auch das Ge⸗ gentheil erfolgen, und es kann um ſo mehr zuruͤckbleiben, wenn es an ſeinen Spitzen verletzt worden und ſeiner Decke beraubt iſt. Hat das Untergras vom Froſte gelitten und iſt es an ſeinen Spitzen ver⸗ letzt, ſo iſt es ihm beſſer, wenn es gemaͤhet wird und dann friſche Blaͤtter ſtreibt. Iſt das Untergras der Duͤrre wegen zuruͤckgeblieben, und es tritt nun eine regnigte Witterung ein, ſo darf man erwar⸗ ten, daß es ſtaͤrker nachwachſen werde, wenn man es ſtehen laͤßt.

Die Witterung iſt uͤberhaupt bei der Heuernte ſehr bedeutend. So ſchwankend bis jetzt unſere

Witterungsanzeigen und die mehrentheils zu einſeitig abgeleiteten Regeln ſind, ſo pflegt doch in der Mehrheit der Faͤlle eine Veranderung der Witterung mit der Sonnenwende gegen den 21ſten Junius vorzugehen. War der Vorſommer bis dahin trocken, ſo erfolgt nun mehrentheils eine Regenperiode,

Wahrzuneh⸗ mender Zeit⸗ punkt.

die zwel bis drei Wochen anhaͤlt. War aber die Witterung fruͤher regnigt, oder iſt dieſe Regenperio⸗

de zeitiger eingetreten und abgelaufen, und es klaͤrt ſich nun auf, ſo kann man eine guͤnſtige Witte⸗ rung erwarten. Deshalb ſind die, welche im erſtern Falle auf fruͤhen warmen Wieſen geeilt haben, am beſten gefahren, wenn gleich das Untergras noch nicht genugſam herangewachſen war, indem es nachher bei der feuchten Witterung um ſo dichter hervortrieb. Kann man aber dieſer Regenperiode

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