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Mineraliſche Duͤngungsmittel. 189
Ich vermuthe, daß man dieſe wirkſame Duͤngererde an mehrern Orten finden koͤnne, wo man ſie noch nicht kennt. Sie iſt durch den Moder der Waſſerpflanzen, der Fiſche und Schal⸗ thiere gebildet, und mit dem feinen Sande hier abgeſetzt, nachher aber durch einen Nieder⸗ ſchlag des von der Hoͤhe herabſtuͤrzenden Waſſers bedeckt worden. Es verlohnt ſich der Muͤhe, in allen Thaͤlern, die vormals wahrſcheinlich unter Waſſer ſtanden, darnach zu ſuchen.
Man verfaͤhrt bei dem Herausbringen derſelben(was man in Niederſachſen Kuhlen oder Wuͤhlen, und die Erde daher Kuhl⸗ oder Wuͤhl⸗Erde nennt), folgendermaßen.
Man macht zuerſt eine Grube von 5 bis 6 Fuß Breite und 12 Fuß Laͤnge, wirft die obere Ackererde zu einer Seite, den unfruchtbaren Thon, der 4 bis 5 Fuß tief liegt, zur an⸗ dern, und bringt dann die geſuchte Erde, die bis zu einer großen Tiefe liegt, heraus, ſo tief, als man ohne Gefahr kommen kann. Dann ſetzt man die Grube fort, legt die Ackererde wie⸗ der auf die Seite, ſdoͤßt nun aber den unfruchtbaren Thon in die vorige Grube, und bringt die Duͤngererde weiter heraus. So faͤhrt man fort, bis man ſo viel Duͤngererde hat, als man braucht. Die ganze Grube wird nun wieder zugeworfen, die Ackeverde oben, die Duͤngererde aber uͤber das Feld vertheilt.
Dieſe Duͤngererde iſt fuͤr ſich allein, wenigſtens im Anfange, ganz unfruchtbar, mit der
Ackererde aber vermiſcht und tuͤchtig durchgearbeitet bringt ſie eine hohe Fruchtbarkeit hervor, und ein ſolches gekuhltes Land zeichnet ſich lange Zeit dadurch aus.
§. 79. Die Duͤngung mit Gyps oder ſchwefelſaurem Kalk iſt zwar keine neue Erfindung, ſon⸗
dern man trifft ſchon in aͤltern Zeiten Spuren ihrer Anwendung auf einzelnen Flecken an, deren
Kenntniß ſich aber nicht verbreitete. Erſt nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts lernte der um die Landwirthſchaft ſehr verdiente Pfarrer Mayer zu Kupferzell im Hohenloheſchen den Gebrauch deſſelben aus einer Korreſpondenz mit dem Grafen von der Schulenburg auf Hehlen im Hannoverſchen kennen, wo der Gyps in der Gegend von Niedek, unweit Goͤttingen, ſchon ſeit langer Zeit gebraucht war. Mayer verbreitete den Ruhm deſſelben in ſeinen Schriften, und er fand beſonders in der Schweiz Eingang, wo ſeine Wirkung durch entſcheidende Verſuche von Tſchiffeli und andern angeſtellt und in den Abhandlungen der oͤkonomiſchen Geſellſchaft zu Bern bekannt gemacht wurden. In Deutſchland war es haupt⸗ ſaͤchlch Schubart von Kleefeld, der ſeine großen Wirkungen auf den Klee ins Licht ſtelte. Dagegen traten ſehr viele Gegner auf, die denſelben nach angeblichen oder doch un⸗ vollkommenen Verſuchen fuͤr ganz unwirkſam oder gar ſchaͤdlich erklaͤrten, ſo daß die Sache wirklich lange zweifelhaft blieb.
Insbeſondere ſetzten ſich die Aufſeher verſchiedener Salinen dagegen, indem ſie eine Schmaͤlerung des Abſatzes ihrer Abfaͤlle, welche in den umliegenden Gegenden gebraucht wur⸗ den, beſorgten. Dagegen fand die Gypsduͤngung in Frankreich, beſonders in der Gegend um Paris, vielen Beifall, und ſie verbreitete ſich von da nach Amerika, wohin man anfangs den Gyps von Montmartre in großen Ladungen kommen ließ. Nirgends hat ſich der Ge⸗ brauch des Gypſes ſo ſchnell verbreitet, wie in den verſchiedenen Nordamerikaniſchen Provin⸗ zen; nirgends aber band der Gyps weniger Beifall, als bei den engliſchen Landwirthen. Ich
Gypsdangung. Heſchich 2 der⸗ ſelben.


