Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1811) Von den landwirthschaftlichen Verhältnissen (Fortsetzung) : Agronomie, oder die Lehre von den Bestandtheile, physischen Eigenschaften, der Beurtheilung und Werthschätzung des Bodens : Agrikultur
Entstehung
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Mineraliſche Duͤngungsmittel.

ſchwerlich iſt, ſo muß man ſich bei dem Zuge des Wagens ſorgfaͤltig nach dem Winde richten, ſo daß dieſer ihn von den ausſtreuenden Menſchen, auch von den Pferden wegwehe. Man hat, wo dieſe Kalkduͤngung ſehr gebraͤuchlich iſt, auch an den dazu beſtimmten Karren mit dem Ra⸗ de umlaufende Walzen angebracht, ungefaͤhr wie an den Saͤemaſchinen, welche das Kalkpulver ausſtreuen.

Die zweite gebraͤuchlichere und bequemere Art iſt die: daß man die Kalkſtuͤcke in kleine Haufen, etwa eines Scheffels ſtark, auf den Acker in gehoͤrigen Zwiſchenraͤumen vertheilt, und ſolche dann mit Erde, die man rings um den Haufen ausſticht, und dadurch zugleich einen klei⸗ nen Abzugsgraben fuͤr das Waſſer macht, bedeckt. Wenn der Kalk mehrentheils zerfallen iſt, ſo ſticht man ihn mit der Erde durch, und ſind noch Stuͤcke darunter, ſo ſetzt man ihn noch einmal wieder auf, und bedeckt ihn mit neuer Erde. Dieſe Bedeckung mit Erde hat man zwar vermuthlich in dem falſchen Wahne, als verloͤre der Kalk einen fluͤchtigen Stoff, zuerſt einge⸗ fuͤhrt; aber ſie iſt doch reell nuͤtzlich, weil ſich ohne ſolche Bedeckung bei regnigter Witterung uͤber den Kalkhaufen eine Borke erzeugt, welche theils das weitere Eindringen der Feuchtigkeit verhindert, theils aber ſchwerlich wieder zu Pulver zerfaͤllt, ſondern in Stuͤcken zuſammenge⸗ klebt bleibt.

Eine dritte Art, den Kalk zur Vertheilung auf den Acker vorzubereiten, iſt noch die:

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daß man ihn mit Raſen oder Raſenerde, da, wo man ſie nahe beim Acker haben kann, z. B.

an den Rainen und Abhaͤngen der Felder oder bei binſigen auszuſtechenden Sinken in Mieten zuſammenbringt, ihn darin zerfallen und den Raſen zerſetzen laͤßt. Dieſe Mieten werden dann einige Male umgeſtochen und wieder aufgeſetzt. Hier kann ſich der Kalk mit der Erde und dem Humus ſehr wirkſam verbinden und zertheilen, und dieſer oft leicht zu bereitende Kompoſt iſt von trefflicher Wirkung. So bringt man ihn auch zwiſchen mooſigen Torf und mit unzergan⸗ genen vegetabiliſchen Subſtanzen noch ſtark verſetzten Modder. Von ſeinem Gebrauche zu an⸗ dern Kompoſtarten iſt§. 32. geredet worden.

5. 56.

Eine weſentliche Bedingung, wenn man von dem Kalk die erwuͤnſchte und moͤglich hoͤch⸗ ſte Wirkung haben will, iſt die, daß er auf das allergenaueſte und innigſte mit der Ackererde durchmengt werde, ſo daß jede ſeiner feinſten Partikeln mit jeder Partikel der Erde in Be⸗ ruͤhrung und Wechſelwirkung komme. Hierbei iſt alſo die groͤßte Aufmerkſamkeit noͤthig. Wenn man ihn auf den geſtuͤrzten und vorgeeggeten Acker ausgeſtreuet hat, ſo wird er bei tro⸗ ckenem Wetter nochmals ſtark durchgeegget, und ſodann ſo flach, wie immer moͤglich, unter⸗ gepflugt. Am beſten bedient man ſich hierzu des Exſtirpators, der ihn mit der Erde durch⸗ wuͤhlt. Nun wird wieder geegget, und darauf um ein weniges tiefer gepfluͤgt. So muß er mit Einſchluß der Saatfurche wenigſtens vier Mal mit Pflug, Egge oder dem genannten Werk⸗ zeuge durchgearbeitet werden, und zwar immer bei trockenem Wetter. Die Kalkduͤngung er⸗ fordert alſo nothwendig eine reine und vollkommene Brache. Auf dieſe Weiſe wird dann auch die geruͤhmte Wirkung des Kalks, daß er das Land vom Unkraute reinige, voͤllig erreicht. Verfaͤhrt man dagegen hierin nachlaͤſſig, ſo thut der Kalk wenige Wirkung. Von einer ſchwa⸗ chen Kalkung verſpuͤrt man gar keine, von einer ſtarken oft eine nachtheilige, indem der Kalk zu Moͤrtelſtuͤcken wird. Wo man den groben Fehler beging, ihn mit der erſten Furche zur

vollen Pflugtiefe unterzubringen, da hat ſich eine Kalkborke unter derſelben erzeugt, welche dem Pfluge ſo im Wege iſt, daß der Boden dadurch ganz flach wurde. Dies iſt naͤmlich in Zweiter Theil. 3

Behandlung des ausgeſtreuten

Kalks.