Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1811) Von den landwirthschaftlichen Verhältnissen (Fortsetzung) : Agronomie, oder die Lehre von den Bestandtheile, physischen Eigenschaften, der Beurtheilung und Werthschätzung des Bodens : Agrikultur
Entstehung
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u Bemerkungen.

angeſetzt, als den Gesd, welchen ein ſo weit erſchoͤpfter Mittelboden behaͤlt, wenn ſeine

Beſtellung, ſogar in Ruͤckſicht auf die naͤchſte Ernte, kaum mehr vortheilhaft bleiben wuͤrde,

falls man ihm keinen neuen Nahrungsſtoff gaͤbe als die aͤußerſte Erſchoͤpfung, wohin man einen Ackerboden kommen laſſen ſollte. Ein guter Gerſtboden, der nicht uͤber 50 bis 60

Prozent Sand, vielleicht etwas Kalk und 2 Prozent Humus hat, wird ohne muthwillige Er⸗ ſchoͤpfung nicht ſo tief herunterſinken, und wir werden ihm bei einer ſechsjaͤhrigen Duͤn⸗ gung und abgenommenen 4 Getreidefruͤchten immer noch eine Kraft von 60 Graden beimeſſen,

und wenn wir ihn weiter erſchoͤpfen wollten, noch Ernten in dieſem Verhaͤltniſſe von ihm er⸗

warten koͤnnen. Bei andern Feldſyſtemen und natuͤrlich reichern Boden wird er noch hoͤhere Grade von Kraft beſitzen, wenn man ihm dennoch neuen Duͤnger zufuͤhrt. Je mehr Thon ein Boden enthaͤlt, um deſto ſpaͤter wird er in den Zuſtand kommen, den wir eigentlich mit jenen 40 Graden bezeichnen, weil er ſeine Nahrungstheile feſter anhaͤlt, und zwar befriedigende Ernten verſagt, deſſen ungeachtet aber doch noch Kraft in ſich hat; wie wir daraus erkennen, daß wir ihm noch Ernten abzwingen koͤnnen, durch ſolche Mittel, welche die in ihm verſchloſ⸗ ſenen Nahrungsſtoffe nur aufſchließen. Es gehoͤrt viele Kunſt dazu, um ihn ganz auszuſau⸗

gen; dann aber freilich ein deſto groͤßerer Aufwand, um ihn wieder in die erforderliche Kraft

zu ſetzen.

. Jene Bodenkraft, die wir nur deshalb die natuͤrliche nennen, weil ſie zuruͤckbleibt, wenn wir ihr eine Erfriſchung geben, und insbeſondere dann, wenn wir eine neue Rotation

mit der Hauptduͤngung anfangen, ſteigt und faͤllt auf demſelben Acker, nach dem Verhaͤltniß

der gegebenen Duͤngung zu den abgenommenen Ernten am Ende jeder Rotation, und tritt in

einem hoͤhern oder geringern Grade zur folgenden uͤber.

Ich habe durch den§. 258. Veranlaſſung gegeben, die Ausſaugung aller Fruͤchte gleich,

und zwar zu 30 Prozent der jedesmal im Acker befindlichen Kraft anzunehmen, und mich in der zweiten Anmerkung nicht deutlich genug uͤber das Verhaͤltniß erklaͤrt, in welchem die ſtaͤr⸗ ker anziehenden Fruͤchte ſich davon mehr zueigneten, und dann auch in demſelben Verhaͤltniſſe ſtaͤrkere Ernten gaͤben. Es kam mir damals nur auf das Reſultat bei ganzen Rotationen an.

Dieſe Verſchiedenheit ſindet aber nach allen Erfahrungen ſtatt. Weizen, welcher auf einem

ihm angemeſſenen Boden mehrentheils gleichen Scheffelertrag mit dem Rocken giebt, ſaugt den Boden bekanntlich ſtaͤrker, wie dieſer aus, und ſehr wahrſcheinlich nach dem Verhaͤltniſſe, worin

er den Rocken in Anſehung ſeiner Schwere und ſeiner nahrhaften Theile uͤberwiegt. Auf Bo⸗

den alſo und auf einer Stelle, wo Weizen uͤberhaupt paßt, werden wir ſeine Anziehung 40 Prozent annehmen, und darnach ſeinen Ertrag beſtimmen koͤnnen. Er ſteht naͤmlich in dem Verhaͤltniſſe ſeines Nahe angsſtoffes gegen den Rocken wie 13:10, ſeine Anziehung darnach

wie 39:30, und da ſie noch etwas kraͤftiger ſcheint, ſo nehmen wir 40. Die Soͤmmerung dagegen zieht ſchwaͤcher an, wie auch ſchon nach der kuͤrzern Zeit ihrer Vegetation zu vermu⸗

then iſt. Wir koͤnnen fuͤr ſelbige nur 25 Prozent, als der Wahrheit nahe kommend, anneh⸗ men. Ob Gerſte oder Hafer ſtaͤrker ausſauge, daruͤber ſind die Meinungen ſeit jeher getheilt

geweſen, und es koͤmmt dabei wohl auf den Zuſtand des Bodens an. Erſtere wird ſtaͤrker aus⸗

ſaugen, wenn der Boden die Lockerung und Vorbereitung erhalten hat, welche dieſe Frucht er⸗ fordert, indem ſie nur unter dieſer Bedingung vollſtaͤndige Ernten giebt. Der Hafer hinge⸗ gen hat an ſich eine ſtaͤrkere Anziehungskraft, und auf einem zaͤheren und minder bearbeiteten

Boden wird er mehr ausſaugen, als Gerſte, aber auch in dem Verhaͤltniſſe eine ſo viel ſtaͤrkere

Ernte geben. Deshalb nehmen wir ſie im Durchſchnitt als gleich an.

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