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Erster Band (1811) Begründung der Lehre und des Gewerbes : Oekonomie oder die Lehre von den landwirthschaftlichen Verhältnissen
Entstehung
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Schaͤtzung des Holzes.

In wiefern auf eingezogene Er⸗ kundigungen zu bauen.

30 Werthſchätzung eines Landguts.

gung, 3. B. bei Theilungsangelegenheiten an, ſo kann wohl nur der Futtergewinn bei der landuͤblichen rei⸗ nen Dreifelderwirthſchaft zum Grunde gelegt werden, indem bei einer anderen Wirthſchaftsart eine unuͤber⸗ ſehbare Menge von Winterfutteruns in manchen Faͤllen gebauet werden konnte.

.§. 81. Die Schaͤtzung des Holzes iſt ſehr problematiſch. Wir erwaͤhnen derſelben nur, in ſofern ſie beim Ankaufe eines Guts oft von der groͤßten Wichtigkeit iſt, uͤberlaſſen ſie uͤbrigens der Forſtwiſſenſchaft. Die Schaͤtzung kann in mancher Ruͤckſicht geſchehen, und darnach ſehr verſchieden ausfallen. Entwe⸗ der nach dem Ertrage, den das Holz nach forſtwirthſchaftlichen Grundſaͤtzen, um beſtaͤndig im guten Zuſtande erhalten zu werden, geben kann; oder aber nach dem Werthe und dem moͤglichen Verkaufs⸗ preiſe des jetzt wirklich darauf vorhandenen Holzes, in ſofern ſelbiges ganz oder zum Theil abgetrieben

werden darf, da alsdann noch der Werth des abgetriebenen Grund und Bodens in Hinſicht auf ande⸗

re Benutzung hinzukommt. Die Differenz beider Schaͤtzungsarten iſt enorm, zumal wenn jene nach dem erfahrungsmaͤßigen Ertrage oͤffentlicher Forſten angeſtellt wird. Es iſt bekannt, daß in neueren Zeiten manche Guͤter gekauft, und von dem Verkaufsgelde, welches aus einem Theile des abgeſchla⸗ genen Holzes geloͤſ't worden, voͤllig oder groͤßtentheils bezahlt ſind. Eine Spekulation, die manchen Guͤterhaͤndler ſchnell bereichert hat, die aber nun in kultivirtern und bevöͤlkerten Gegenden ſeltener zur Ausfuͤhrung wird gebracht werden koͤnnen. Jedoch giebt es noch Guͤter, deren Holzwerth den jetzigen Verkaufspreis des Ganzen bald uͤberſteigen moͤchte, wenn ſie bei dem zunehmenden Holzmangel Ab⸗ ſatz dafuͤr erhalten, und durch Ziehung von Kanaͤlen oder Aufräumung und Anſtauung natuͤrlicher Ge⸗ waͤſſer den Transport erleichtern. Nach manchen Taxations⸗Prinzipien waͤre der Grund und Boden mehr werth, wenn er gar kein Holz truͤge und zur Schafweide laͤge.

Auf ſolche Taxationen von gewoͤhnlichen Forſtbedienten wird man daher beim Ankaufe von Guͤ⸗ tern wenig Ruͤckſicht zu nehmen haben, ſondern den Werth des ſtehenden Holzes nach den Lokalverhaͤlt⸗ niſſen fuͤr ſich anſchlagen, und dann auf den Werth des Grund und Bodens, der oft einen angehaͤuf⸗ ten Reichthum von Dammerde enthaͤlt, und beſonders bei einer ruinirten Holzung als Acker⸗ oder Wie⸗ ſenland ungleich hoͤher zu benutzen iſt, Ruͤckſicht nehmen; wogegen dann haͤufig anderer ausgeſogener Ackerboden, deſſen Fruchtbarkeit ſchwer herzuſtellen ſeyn wuͤrde, mit Holz zu beſaamen oder zu bepflan⸗ zen und in Schonung zu legen iſt.

Immer iſt der Bedarf an Bau⸗Rutz⸗ und Brennholz etwas ſehr annehmliches bei einem Gute,

und deshalb beim Ankaufe beſondere Nuͤckſicht darauf zu nehmen.

§. 82.

Manche, die ein Gut zu kaufen die Abſicht haben, legen ein großes Gewicht auf die von den Nach⸗

barn oder in der Gegend Bekannten, auch vom Geſinde, Viehhirten und Unterthanen eingezogene Er⸗ kundigungen. Sie koͤnnen allerdings Fingerzeige geben, doch muͤſſen die Ausſagen zuvor an Ort und Stelle gepruͤft ſeyn, bevor man darauf bauet. Wer ſich dadurch des Sehens mit eigenen Augen uͤber⸗ heben will, wird ſehr leicht hintergangen werden. Solche Ausſagen werden um ſo verdaͤchtiger, je⸗

mehr die Landguͤter in einer Gegend kurrente Handelswaare geworden, und in die Haͤnde der eigent⸗

lichen Guͤterhaͤndler, zumal derer, die das Geſchaͤft in Kompagnie betreiben, gekommen ſind. Die Kunſtgriffe, deren man ſich hier bedient hat, um Kaͤufer zu hintergehen, ſcheinen unglaublich, und uͤbertreffen beinahe die der Roßtaͤuſcher. In ſolchen Gegenden muß man jeden, den man befragt, fuͤr ein geſtimmtes Inſtrument der Verkaͤufer halten. In ſolchen Faͤllen darf man aber ſelbſt ſchriftlichen Dokumenten, Pachtkontrakten und Regiſtern nicht trauen, wenn nicht fuͤr das darin Enthaltene Evik⸗ tion geleiſtet wird. Bei dem allen laͤßt ſich jedoch zuweilen vortheilhaft von dieſen Haͤndlern kaufen,

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