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Erster Band (1811) Begründung der Lehre und des Gewerbes : Oekonomie oder die Lehre von den landwirthschaftlichen Verhältnissen
Entstehung
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12 Faͤhigkeiten des Subjekts.

annimmt, wurzeln nur als Vorurtheile ein, die mit Muͤhe ausgerottet werden muͤſſen. So vorberei⸗ tet wird er zum wiſſenſchaftlichen Unterricht, mit der Erwartung, das Hohe und Große zu erreichen, uͤbergehen koͤnnen.

5. 41. Halkswiſene Man hat den Nutzen der Huͤlfswiſſenſchaften fuͤr die hoͤhere Landwirthſchaft ſchon lange nicht ſchaften. ganz verkannt, und dann angenommen, daß ihre Erlernung vorhergehen muͤſſe. Deshalb haben ſich junge, der Landwirthſchaft beſtimmte Maͤnner einige Jahre auf Univerſitaͤten aufgehalten, um hier das ſogenannte Kameralfach zu ſtudieren. Allei in dieſe Nebenwiſſenſchaften erfordern, in Bezug auf die Landwirthſchaft, eine ganz be ondere Behandlung. Das Allgemeine derſelben muß in ſofern vollſtaͤndig und gruͤndlich gelehrt werden, als noͤthig iſt, um jedes Spezielle davon abzuleiten. In Anſehung des Speziellen aber ſcheint mir nur dasjenige zweckmaͤßig, was auf das Gewerbe oder die Lehre von dieſem Gewerbe nahen Bezug hat. Durch eine zu weite Ausdehnung dieſer Lehren wird das Gemuͤth zu ſehr zerſtreut und von dem Hauptziele abgelenkt, und die uͤberwiegende Neigung, welche fuͤr ein oder an⸗ deres Studium in dieſen empfaͤnglichen Jahren entſteht, kann dem thaͤtigen Leben Abbruch thun; oder aber, es entſteht eine gewiſſe Obeeflaͤchlichkeit, ein ſogenanntes encyklopaͤdiſches Wiſſen. Wird dage⸗ gen Alles mit Hinſicht auf den einen bezweckten Gegenſtand vorgetragen, ſo konzentrirt ſich auf ihm al⸗ les Licht, und er erſcheint dem Juͤnglinge in deſto reizenderer Geſtalt. Deshalb hat der verbundene und in einander greifende Vortrag der Haupt⸗ und Huͤlfswiſſenſchaften ſo große Vorzuͤge, und man⸗ cher, der die Huͤlfswiſſenſchaften auf Univerſitaͤten gehoͤrt hatte, fing bei ſelbigen erſt an, den Bezug

zu erkennen, den ſie auf ſein Studium haben koͤnnten.

§. 44. Lehrſtuͤhle der Daß man ſhon ſeit hundert Jahren die Moͤglichkeit und Nuͤtzlichkeit eines wiſſenſchaftlichen Un⸗ Landateihſan terrichts in der Landwirthſchaft ahnete, beweiſen die Lehrſtuͤhle, welche ſeitdem faſt auf allen Univer⸗ zen. ſitaͤten dafuͤr errichtet wurden. In ſofern ſolche dem kuͤnftigen Staatsbeamten, dem Rechtsgelehr⸗ ten, ſelbſt dem Theologen und Arzte, eine klare Anſicht des landwirthſchaftlichen Gewerbes geben ſol⸗ len, erkenne ich ihren Nutzen an, und wuͤnſchte nur, daß der Vortrag von demſelben, dieſem einzig von ihnen erreichbaren Zwecke, angemeſſen waͤre. Fuͤr den Unterricht ſuchenden Landwirth ſcheinen ſie mir durchaus nicht paſſend, indem die Univerſitaͤtsverhaͤltniſſe, die akademiſche Lebensweiſe und die ganze Anſicht der Dinge daſelbſt, etwas zu heterogenes in ſeine Bildung bringt, welches ihm in An⸗ ſehung ſeiner kuͤnftigen Thaͤtigkeit und Lebensweiſe leicht nachtheilig werden moͤchte; man auch kaum erwarten kann, daß ein praktiſch⸗wiſſenſchaftlicher Landwirth eine Lehrſtelle auf Univerſitaͤten anneh⸗

men werde, und ein anderer zu dieſem Vortrage durchaus nicht faͤhig iſt.

§. 43.

Koͤpfe, in denen die Wiſſenſchaft der Landwirthſchaft mehr oder minder entwickelt bisher exiſtir⸗ te, haben ſich ſolche durch eigenes Nachdenken erſchaffen muͤſſen, und konnten die ungeheure in dieſem Fache geſchriebene Maſſe von Buͤchern nur gebrauchen, um die darin zerſtreuten guten Materialien her⸗ auszuheben. Mehrentheils waren dies aber nur ſolche, die zu eigenem Gebrauch und fuͤr ihre beſon⸗ deren Verhaͤltniſſe ſich ihre Syſteme bildeten, oder auch Kameraliſten und Statiſtiker, die wiederum einen vom landwirthſchaftlichen verſchiedenen Geſichtspunkt hatten, und Alles in die hergebrachten For⸗ men zwaͤngen mußten, die haͤufig nicht von der Natur, ſondern von der Willkuͤhr gegeben waren.

Wir haben wol deshalb noch keine der Landwirthſchaft angemeſſene Legislatur, weil wir keine Wiſſen⸗

ſchaft derſelben hatten. Denn wie konnte der Geſetzgeber ein ſo verwickeltes Gewerbe richtig ins Auge faſ⸗

ſen, von dem er nur einſeitige Begriffe bekam? Doch iſt es neuerlich den ſtaatswirthſchaftlichen Schrift⸗ ſtellern Krug und Kraus gelungen.

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