VoOrTrrede.
Da die Bekanntschaft mit der neueren vervollkommneten Brittischen Landwirth-
schaft unserer deutschen groſse Vortheile gewährt hat und ferner gewähren wird, ist 1 jetzt— trotz den aus Unwissenheit und Trägheit hervorgehenden, sich hinter deutschem Nationalstolz lächerlich versteckenden Anfeindungen— von allen wahrhakft praktischen und denkenden Landwirthen anerkannt. Deshalb habe ich von all en Seiten und Gegenden her dringende Aufforderungen erhalten, die Fortschritte jener Landwirthschaft seit der thörigten Absperrung dieser Insel vom Continent, dem Publikum mitzutheilen, auch Ue- bersetzungen und Auszüge aus den neuesten, seitdem herausgekommenen Schriften zu veranlassen. Aber wenn eine Kunst erst einen hohen Grad von Vollkommenheit erlangt hat, so sind ihre Fortschritte gewöhnlich so schwach, daſs man, besonders aus der Ferne angesehen, einen völligen Stillstand wahrzunehmen glaubt. Ich habe wenig oder gar keine merkwürdige, sich bewährende und für uns anwendbare V erbesserungen in der Kunst der Landwirthschaft gefunden, die ich nicht in der Anleitung zur Kenntniſs der Englischen Landwirthschaft oder nachmals in meinen Annalen beschrieben oder angedeutet hätte. Von dem gegenwärtigen Zustande der Landwirthschaft daselbst findet man die treuste und lebendigste Schilderung in den Briefen eines Reisenden, die in den Möglinschen Annalen stehen und fortgesetzt werden. Der Streit über die Vortheile oder Nachtheile der Einfüh-
rung der Merinos oder ihrer Kreuzung mit verschiedenen inländischen Racen— die jetzt
gegen selbige entschieden zu seyn scheint— über das Liegenlassen des Ackers zu Klee und Gräsern auf ein, zwei oder mehrere Jahre,— über den Vorzug der breitwürfig oder in Reihen gesäeten Rüben, hat den gröſsten Theil der Brittischen landwirthschaftlichen Zeit-
schriften angefüllt, und diese Fragen waren bei uns beantwortet, ohne einmal aufgewor-
fen zu seyn. Mannigfaltige, neue, oder neu seyn sollende, mehr oder minder compli-
cirte Ackerwerkzeuge und landwirthschaftliche Maschinen waren erfunden, patentirt und
als bewundert von vielen ökonomischen Gesellschaften, in allen Tagesblättern angepriesen.
Hierüber bin ich von denen, welche diese Blätter lesen, am meisten befragt worden, weil sie ihnen, die Superiorität der Engländer in der Technik anerkennend, viel zutrauten. Auſser der Heuwalze aber, die in feuchten Gegenden, wo das Heu viel bearbeitet werden muſs, Empfehlung verdient, scheint mir keins der neueren Landbauwerkzeuge der Ein-
führung werth. Mit der, selbst in England belächelten, von unsern Zeitungsschreibern hoch bewunderten Mähemaschine, bewirkt man mit zwei Arbeitern und mit Zugabe eines
Pferdes, so viel, wie jene verrichten, wenn man ihnen eine Sense in die Hand giebt;
auch ist sie nur bei recht steif und gerade stehendem Weitzen, besonders gedrilltem, an-
wendbar. Jene Ankündigungen und Beifallsbezeigungen über neuerfundene technische


