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Niebuhr,„bat ſeinen Beruf von Gott angewieſen erhalten, die Stimmung ſeines Berufs und ſein Siegel; auch war die Geſellſchaft eher als der einzelne Menſch, wie Ariſtoteles weiſe ſagt; das Ganze eher als der Theil.“ So empfängt das individuelle Wirthſchaftsweſen ſeine Richtung vom nationalen.
Betrachten wir nun den Orient, ſo erſcheint er uns wirklich in ſeinem Anfang als die Kindheit der Menſchheit; es liegt hier die gediegene, ungegliederte Einheit vor, von welcher ſich die Individualität noch nicht abzulöſen vermochte; es waltet hier auch noch nicht die ſittlich freie Entwicklung, ſondern die Geſchichte verläuft hier mehr als eine naturgeſchichtliche Evo⸗ lution; dieſe Entwickelung bewegt ſich daher auch innerhalb der Schranke der trägen Stabilität, und man hat daher die Geſchichte des Morgenlandes mit Recht eine räumliche genannt.
Sie bietet allerdings eine reiche Fülle von Geſtaltungen dar, und wie Aſien in ſeinem öſtlichen Theile in ſeiner Iſolirtheit von der übrigen Menſchheit ſich in ſich kehrt, öffnet ſich das weſtliche Aſien europäiſchem Einfluſſe, und in Hinteraſien ſtellen ſich die ſchroffſten Gegenſätze, in Indien der Welt der religiöſen Innerlichkeit und in China der Welt der unbedingteſten Aeußer⸗ lichkeit, dar.
Allein es ſind alle dieſe Unterſchiede, welche die Cultur und. ſo auch die wirthſchaftliche im Orient zeigt, nicht von der Freiheit, ſondern ſie ſind in typiſcher Starrheit von der Reli⸗ gion oder von der Natur geſetzt; man denke nur an die Kaſtenverfaſſung, in welcher Deſpotie und Theokratie walten, beide den Intereſſen der Wirthſchaftlichkeit unhold.
Die Mittelſphäre der ſich ſelbſt bewußten und ſelbſt beſtim⸗ menden Freiheit, inmitten der Religion und der Natur ge⸗ legen, wo erſt die Ideen des eigentlichen Staats, des Rechts, als auf perſönlicher Freiheit ruhend, entſtehen, iſt hier noch nicht angebaut; und weil ſo jede Perſönlichkeit und die im Staate umſchloſſenen coycentriſchen Kreiſe der Familien, der Gemein⸗ den u. ſ. f. in die mächtig obherrſchende fubſtantielle Einheit abſorbirt werden, ſo kann auch nicht jene Scheidung des


