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Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie / von Justus Liebig
Entstehung
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Gift, Contagien, Miasmen.

Anſteckung werden, und eine zweite und dritte Impfung ver⸗ mag ihn wieder zu entfernen.

In keinem Organe pflanzen ſich chemiſche Actionen leichter und ſchneller fort, als in der Lunge, keine Art von Krankhei⸗ ten findet ſich häufiger und iſt gefährlicher, als die Lungen⸗ krankheiten.

Wenn man annimmt, daß im Blute die chemiſche Action und die Lebenskraft ſich gegenſeitig im Gleichgewichte halten, ſo iſt es als gewiß zu betrachten, daß in der Lunge ſelbſt, in welcher Luft und Blut ſich unmittelbar berühren, der chemiſche Proceß bis zu einem gewiſſen Grade das Uebergewicht behaup⸗ tet, denn das Organ ſelbſt iſt von der Natur dazu eingerichtet, um ihn zu begünſtigen; es ſetzt der Veränderung, die das ve⸗ nöſe Blut erleidet, keinen Widerſtand entgegen.

Durch die Bewegung des Herzens wird der Contact der Luft mit dem venöſen Blut auf eine außerordentlich kurze Zeit beſchränkt, jeder fernern bis über einen beſtimmten Punkt hinaus ſich erſtreckenden Störung wird durch raſche Entfernung des arteriellen Blutes vorgebeugt.

Eine jede Störung der Functionen des Herzens, eine jede, wenn auch ſchwache chemiſche Action von Außen veranlaßt eine Aenderung in dem Reſpirationsproceß, ſelbſt feſte Subſtanzen, Staub von vegetabiliſchen(Mehl), thieriſchen(Wollenfaſern) und anorganiſchen Materien, ſie wirken auf dieſelbe Weiſe, wie wenn ſie in eine geſättigte, im Kryſtalliſiren begriffene Flüſſig⸗ keit gebracht werden, ſie veranlaſſen eine Ablagerung von fe⸗ ſten Stoffen aus dem Blute, durch welche die Einwirkung der Luft gehindert wird.

Gelangen gasförmige, in Zerſetzung begriffene Subſtanzen, oder ſolche, welche eine chemiſche Action ausüben, wie Schwe⸗ felwaſſerſtoffſäure, Kohlenſäure ꝛc. in die Lunge, ſo ſtellt ſich