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Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie / von Justus Liebig
Entstehung
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Gift, Contagien, Miasmen. 327

erforſchen ihre Geſetze wie die der anderen Urſachen, welche Bewegung und Veränderungen bewirken.

Die chemiſchen Kräfte ſind die Diener dieſer Urſache, ſowie ſie Diener der Electricität, der Wärme, einer mechaniſchen Be⸗ wegung, des Stoßes, der Reibung ſindz ſie erleiden durch dieſe letzteren eine Aenderung in der Richtung, eine Steigerung, eine Verminderung in ihrer Intenſität, eine völlige Aufhebung, eine vollkommene Umkehrung in der Wirkſamkeit.

Es iſt dieſer Einfluß und kein anderer, den die Lebenskraft auf die chemiſchen Kräfte ausübt; aber überall, wo Verbindung und Trennung vor ſich geht, iſt chemiſche Verwandtſchaft und Cohäſion in Thätigkeit.

Wir kennen die Lebenskraft nur durch die eigenthümliche Form ihrer Werkzeuge, durch Organe, die ihre Träger ſind; welche Art von Thätigkeit eine Materie auch zeigen mag, wenn ſie formlos iſt und wir keine Organe beobachten, von denen der Impuls der Bewegung oder Aenderung ausgeht, ſo lebt ſie nicht; ihre Thätigkeit iſt alsdann eine chemiſche Action, an welcher Licht, Wärme, Electricität, oder was ſonſt darauf Einfluß hat, Antheil nehmen, die ſie ſteigern, vermindern oder eine Grenze ſetzen, allein ohne die Bedinger der Action zu ſein.

In dieſer Art und Weiſe beherrſcht die Lebenskraft in dem lebendigen Körper die chemiſchen Kräfte; Alles, was wir Nah⸗ rungsmittel nennen, alle Stoffe, die in dem Organismus dar⸗ aus gebildet werden, ſind chemiſche Verbindungen, in denen alſo von der Lebenskraft, um zu Beſtandtheilen des Organismus zu werden, kein anderer Widerſtand als die chemiſchen Kräfte zu überwinden ſind, durch welche ihre Beſtandtheile zuſammen⸗ gehalten werden; beſäßen ſie, die Nahrungsmittel, ein eigen⸗ thümliches Leben, ſo würde dieſes mit den chemiſchen Kräften