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Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie / von Justus Liebig
Entstehung
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Gift, Contagien, Miasmen. 317 kennen wir keine Thatſachen, welche geeignet wären, zu einer beſtimmten Anſicht zu führen; allein es läßt ſich mit poſitiver Gewißheit vorausſehen, daß Verſuche über ihr chemiſches Ver⸗ halten zu thieriſchen Subſtanzen ſehr bald die genügendſten Aufſchlüſſe über die Urſache ihrer Wirkſamkeit geben werden.

Eine ganz beſondere Art von Stoffen, welche durch Zer⸗ ſetzungsproceſſe eigenthümlicher Art erzeugbar ſind, wirken auf den lebenden Organismus als tödtliche Giſte, nicht durch ihre Fähigkeit, eine Verbindung einzugehen, eben ſo wenig weil ſie einen giftigen Stoff enthalten, ſondern durch den Zuſtand, in dem ſie ſich befinden.

Um eine klare Vorſtellung über die Wirkungsweiſe dieſer Körper zu haben, iſt es nöthig, ſich an die Urſache zu erin⸗ nern, welche die Erſcheinungen der Gährung, Fäulniß und Verweſung bedingt.

In der einfachſten Form läßt ſich die Urſache durch fol⸗ genden Grundſatz ausdrücken, welcher von La Place und Berthollet ſeit Langem aufgeſtellt, für chemiſche Erſcheinun⸗ gen aber erſt in der neuern Zeit bewieſen wurde.»»Ein durch irgend eine Kraft in Bewegung geſetztes Atom(Moléceule) kann ſeine eigene Bewegung einem andern Atom mittheilen, welches ſich in Berührung damit befindet.««

Es iſt dieß ein Geſetz der Dynamik, beweisbar für alle Fälle, wo der Widerſtand(die Kraft, Verwandtſchaft, Cohäſion), der ſich der Bewegung entgegenſetzt, nicht hin⸗ reicht, um ſie aufzuheben.

Wir wiſſen, daß das Ferment, die Hefe, ein Körper iſt, der ſich im Zuſtande der Zerſetzung, deſſen Atome ſich im Zu⸗ ſtande der Umſetzung, der Bewegung befinden; mit Zucker und Waſſer in Berührung überträgt ſich der Zuſtand, worinn ſich die