Teil eines Werkes 
Zweiter Theil: Zweiter Theil
Entstehung
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ſuchen, ſo nehmen die untern Wurzeln ab, der Stock verliert ſeinen Halt und wird das Opfer der Winde, der Sonne und des Froſtes. Je trockener der Boden an ſich, oder je feuchter er iſt, um ſo unerlaͤßlicher iſt das Räumen, denn um ſo mehr hat der Stock der Wurzeln in der Tiefe nöthig, um ſich mit Feuchtigkeit zu verſehen. Unterläßt man das Räumen in den erſten Jahren nur ein Mal, ſo läuft man Gefahr, den Stock zu entkräften, wenn man es im folgenden Jahre nachnimmt. Nur bei alten Stöcken, deren Herzwurzeln ohnehin abzuſterben anfangen, iſt das Räumen nicht anwendbar, indem der Stock alsdann mehrere Jahre über durch ſeine obern Wurzeln beſtehen kann; die Kopfwurzeln aber, die nur über den Boden herlaufen, bleiben auch alsdann noch zu unterdrücken.

c. Schneiden. Keine von allen Verrichtungen iſt ver⸗ wickelter, als der Schnitt; bei keiner ſind ſo viele Rückſichten zu nehmen; keine endlich hat mehr Einfluß auf Ertrag und Dauer des Stockes, als der Schnitt. Daß jene Rückſichten den örtlichen Gewohnheiten und einem gewohnten Schlendrian nur allzu oft unterworfen werden, läßt ſich von dem größten Theil der Winzer, wie von dem der Gärtner der Spalierbäume, erwarten.

Schwer fällt es überhaupt, wenn wir der Natur entgegen ihre Erzeugniſſe hinzwingen, wo ſie ihrem Weſen nach nicht hingehören und, um ſolches zu erreichen, aus ihren Rieſen durch immerwährendes Verſtümmeln nur Zwerge der Kunſt machen, oder machen zu müſſen glauben, denn ſelbſt darüber iſt man bei dem Weinſtocke noch nicht ganz im Reinen.

Bei den Obſtbäumen hat in neuerer Zeit die Erfahrung unläugbar bewieſen, daß die in Spalieren gezogenen, ſo wie in Pyramiden oder Kugelform geſchnittenen Bäume kräftiger ve⸗ getiren, ſtaͤrkere Lotten und grüneres Laub treiben und mehr Fruͤchte tragen, wenn ſie nicht oder nur ſehr wenig geſchnitten, dagegen ihre Zweige in etwas geſtreckten, dann herabgeſenkten Bogen angebunden werden. Bei einem Baume, den man an⸗ haltend unter dem Meſſer halt, ſtehen die Aeſte und Zweige in keinem Verhältniß mehr mit der Ausdehnung und Menge der Wurzeln; dieſe arbeiten immer, ziehen immerfort die Säfte der