Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1821) Lehrbuch der Landwirthschaft. Zweiter Band
Entstehung
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in Vinter⸗ unter dem er⸗ Jahres ausge genden Jahes ſe im Frühlinge en Jahres noch

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Die Größe einer Pflanze hängt, außer den übrigen, viel⸗ mals ſchon berührten Umſtänden, ab: von der Menge der pflan⸗ zennährenden Materie im Boden, und der Größe der Bewurze⸗ lung, mittelſt welcher ſie die nährende Subſtanz aus dem Boden in ſich nimmt. Bei gleicher Menge der pflanzennährenden Mate⸗ rie wird ein und die nämliche Pflanzenart ein größeres Wachs⸗ thum äußern, wenn ihr mehr Zeit gegönnt wird, ſich zu bewur⸗ zeln, gegen eine aͤndere derſelben Art, die weniger Zeit hierzu hatte; und weil nun die im Herbſte ausgeſäete Pflanze noch vor dem Winter ſich nach Verhältniß der Zeit, Witterung und Bo⸗ denkraft bewurzelt, und mit dieſen Nahrung einſaugenden Orga⸗

nen die Vergrößerung des Wachsthums der Pflanze ſogleich be⸗

ginnt, wie die laue Witterung des Frühlinges eintritt; ſo iſt es leicht begreiflich, daß die Winterſaaten bei gleichen übrigen Ver⸗ hältniſſen größere, vollkommnere und dichter beſtockte Pflanzen liefern müſſen, wie die Sommerſaaten.

10. Säet mon dieſe Getreidearten mehrere Jahre nach einander im Herbſte an: ſo wird ihnen eine längere Zeit zu ihrer Entwicklung zum Bedürfniß, und wenn man dann den Samen vom Wintergetreide im Frühlinge ausſäet: ſo bringen die Pflanzen nur dann vollkommne Körner, wenn ſie durch Klima und Witterung beſonders begünſtiget, oder ſehr früh geſäet worden ſind; im entgegengeſetzten Falle ſchoſſen ſie entweder gar nicht, oder bringen unreife Körner.

Klima, Witterung, Kultur, Saatzeit, wenn ſie lange und gleichförmig in die Pflanzen einwirken, ändern ihre Form und ihr Verhalten gegen die Dinge von außen. Wenn man Mais aus Slavonien im obern Drau⸗ oder Gailthale von Kärnten ausſäet: ſo wird er nicht reif; er wächſt hoch, hat einen mächtigen Stamm, aber er blüht zu ſpät, und bringt nur unreife Körner. Wenn man aber dieſen ſüdlichen Mais in Kla⸗ genfurt ſäet, und das Jahr einiger Maßen dieſer Frucht günſtig iſt: ſo wird er da reif. Säet man den hier erhaltenen Samen dann einige Jahre nach einander: ſo verliert er ſeine Höhe, und wird dem gewöhnlichen ganz ähnlich. Wenn man hieſigen, oder auch wohl urſprünglich ſlavoniſchen, aber ſchon veränderten Mais in das Drau⸗ oder Gallthal bringt, ſo bedarf die erſte Saat auch wieder eines guten Jahres; iſt ſie aber einmal zeitig geworden, und wird dann fortgepflanzt: ſo erhält ſie ſchleunig den Charakter des dortigen gemeinen Mais, der niedrig, in allen Verhaͤltniſſen kleiner, und wenn er in wärmern Gegenden gebaut wird, um vieles ſchneller reif wird. Dieß iſt der Gang der Acclimatiſirung und Umänderung aller Gewächſe; denn nur da, wo Klima und Boden ſich völlig gleich ſind, bleiben dieſelben Pflanzen ſich auch gleich, und ſo wie einer dieſer beiden Faktoren