6. Daher theilen wir die Getreidearten in Winter⸗ und Sommergetreide, und verſtehen unter dem er⸗ ſteren diejenigen, die im Herbſte des einen Jahres ausge⸗ ſäet, erſt im Sommer oder Herbſte des folgenden Jahres reif werden; und unter den letzteren jene, die im Frühlinge geſäͤet, und im Sommer oder Herbſte deſſelben Jahres noch geerntet werden.
7. Dieſe Eigenſchaft der meiſten Getreidearten, in ihrer Jugend einen großen Kältegrad übertragen und aus⸗ dauern zu können, macht ſie geſchickt, auch in den nördli⸗ chen und rauhen Klimaten gebauet werden zu können, die ihrer ſonſt entbehren müßten; und durch die Theilung der Saat⸗ und Erntearbeiten tragen ſie zum Vortheile des landwirthſchaftlichen Betriebes weſentlich bei.
8. Wenn man jene Getreidearten, die dieſe Eigenſchaft in einem vorzüglichen Grade beſitzen, und die in ihrer Hei⸗ mat keinen Winter kannten, bei uns im Herbſte ausſaͤet: ſo überkommen ſie ziemlich leicht den Winter, und werden
im folgenden Jahre um ſo viel früher reif, als ihr Wachs⸗
thum im Herbſte ſchon Fortſchritte gemacht hat; und der Ertrag der Ernte iſt bei gleichen übrigen Verhältniſſen an Körnern und Stroh ergiebiger, als wenn wir dieſelbe Pflanze als Sommerſaat kultivirt hätten.
9. Der Grund dieſer Erſcheinung liegt in dem grö⸗ ßeren Volumen von Wurzeln, und dem vermehrten Austriebe der Seitenaͤſte, welcher durch die kühle und feuchte Witte⸗ rung des Herbſtes und Frühlingsanfanges begünſtiget wird; wohingegen die im Frühlinge gemachte Saat ſchon in einem ſehr zarten Zuſtande, und bei geringer Bewurzelung von der ſteigenden Hitze zum Schoſſen, d. h. zum Austreiben der Halme gereizt wird.
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