Teil eines Werkes 
Vierter Band (1810) Lehrbuch der Nazional-Oekonomie / von Julius Gr. v. Soden
Entstehung
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373. Noch weit wichtiger muß dem Menſchen dieſe Energie in der peinlichen Geſezgebung ſeyn, die ſeine wichtigſten Guͤ⸗ ter, Leben, Freyheit und Seelenruhe zum Gegenſtand hat.

Allenthalben aber iſt es wahr, daß gewiſſes Ungluͤck leichter ſich traͤgt, als duͤſtre Zukunſt.

574.

Einige Staaten, und darunter vorzuͤglich der Brittiſche, ſind auf die Idee gerathen, in der Juſtizverwaltung das Pal⸗ ladium der Staatsbuͤrgerlichen Freyheit in der Jury, den Geſchwornen⸗Gerichten zu ſuchen.

Ihre Schlußfolge war, daß der Menſch, eiferſuͤchtig auf ſeine Freyheit, die Einſchraͤnkung derſelben am ſicherſten ſeinen Genoſſen anvertraut zu ſehen wuͤnſchen werde, daß dieſe, am beſten mit ſeinen Anſichten, Sitten und Beduͤrſniſſen ver⸗ traut, auch am faͤhigſten zur Beurtheilung der Kolliſionen ſeyn, die durch ſie veranlaßt wuͤrden. Es bedarf noch einer tiefe ren Unterſuchung, ob dieſe Anſicht wirklich die richtige iſt? Es ſcheint vielmehr, als ob dies gerade nicht der wahre Weg ſeyn duͤrfte, den Zweck der Juſtizverwaltung, naͤmlich

die Erforſchung der Wahrheit zu erreichen, denn gerade

dieſe Erforſchung ſcheint vielmehr Menſchen zu fordern, die

uͤber die engen oder ſchiefen Anſichten derjenigen, deren Leiden⸗ ſchaftsſpiel den Streit geſchaffen hat, erhaben, mit einem hoͤhe⸗ ren oder doch von Stand und Gewohnheit nicht verkruͤppelten Geiſte jene Diskuſſionen zu Aherſchanen, und vorurtheilsfrey zu pruͤfen vermoͤchten.

Unerlaͤßlich zu Bewahrung der buͤrgerlichen Freyheit ſcheint hingegen in der peinlichen Juſtizverwaltung die Publizitaͤt der Verhandlungen zu ſeyn.

575 Die Brittiſche Nazion, der man tiefe Blicke in den Geiſt der geſellſchaftlichen Verfaſſung zugeſtehen muß, hat fer⸗