Teil eines Werkes 
Vierter Band (1810) Lehrbuch der Nazional-Oekonomie / von Julius Gr. v. Soden
Entstehung
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ner eine Schuzwehre der buͤrgerlichen Freyheit in der buch⸗ ſtaͤblichen Anwendung der Geſeze geſucht, und aller⸗ dings hat dieſe Anſicht um ſo mehr fuͤr ſich, als ſie die Al⸗ leinherrſchaft der Geſeze beguͤnſtigt. 8

Es giebt keinen dem Nazionalwohl nachtheiligern Zuſtand als den der Willkuͤhr; ſelbſt die widerſinnigſte Geſezgebung iſt jenem Zuſtande vorzuziehen. Indeß koͤnnen aus jener aͤngſt⸗ lichen Anwendung des geſezlichen Buchſtabens ſehr nachtheilige

Folgen fuͤr das allgemeine Wohl entſpringen. Eben deswegen

iſt hoͤchſtmoͤgliche Vollſtaͤndigkeit der Geſezgebung das ficherſte Palladium der buͤrgerlichen Freyheit.

576. Unter die allgemeinen Gebrechen der Juſtizgeſezgebung gehoͤrt vorzuͤglich die Koſtbarkeit der Juſtiz, das Spor⸗ telſyſtem mit allen ſeinen verwuͤſtenden Folgen.

Schuz des Eigenthums iſt das Urprinzip des Staatsgeſellſchaftlichen Verbands; den Staatsbuͤrger gerade dann und da zu verlaſſen, wo er dieſes Prinzip in Anſpruch zu nehmen, in den Fall kommt, iſt offenbar gegen dieſes Prinzip.

Dieſe Feilheit der Juſtiz iſt es, die dem Staͤrkern, dem Reichern, die Bewahrung ſeines Eigenthums erleichtert, dem Aermern, dem Schwaͤchern erſchwert. Selbſt bey aufe geklaͤrten Nazionen hat man das Sportelweſen, alſo die Mit⸗ theilung der Juſtiz, in die Klaſſe der indirekten Auflagen ge⸗ ſezt; ja ſie zu einer hoͤchſtdruͤckenden und den Nazionalwohle ſtand gevade in ſeinen weſentlichen Beſtandtheilen und am tief⸗ ſten verwundenden Hoͤhe getrieben.

Die Furcht, daß durch unbezahlte Juſtizpflege Pro⸗ zeſſe ſich vervielfaͤltigen, die Unſicherheit des Eigenthums ſtei⸗ gen, und die ohnehin raſtlos regen Leidenſchaften der Menſchen in erhoͤhter Gaͤhrung erhalten werden duͤrften, kann die Be⸗ zahlung der Juſtizpflege nicht rechtfertigen.

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