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Die peinliche Geſezgebung, indem ſie eine Menge gleichguͤltiger Handlungen zu Verbrechen ſtempelt, oder ſolchen Kraftaͤußerungen, die eine natuͤrliche Folge der Froͤhlichkeit ſind, oder von einer augenblicklichen Ueberſpannung und Er⸗ hizung entſtehen, und mit ihr verſchwinden, ohne in dem all⸗ gemeinen Wohl eine Narbe zuruͤck zu laſſen, eine Bedeutenheit beylegt, die ſie erſt zu Wunden umſchaft.
Die buͤrgerliche Geſezgebung, indem ſie alle und jede menſchliche Handlungen in Regeln und Formen preßt, und dadurch jenes allgemeine Mißtrauen, jenen Mangel an Offenheit und Biederſinn erſchaft, die ſie bezwingen will, und ohne die doch die geſellige Froͤhlichkeit nicht gedeihen kann.
Und endlich die eigentliche ſogenannte Staatspolizey⸗ Geſezgebung, indem ſie allenthalben und gerade dort am ge⸗ ſchaͤftigſten ihr mißguͤnſtiges Antliz zeigt, wo der Menſch froh, d. h. wo er frey ſeyn, wo er dem Hange zum heitern Lebens⸗ genuſſe ſich uͤberlaſſen kann.
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Statt alſo dem Frohſinn, der geſelligen Freude, in den Weg zu treten, ſcheint es vielmehr die Pflicht der Staatsver⸗ waltung zu ſeyn, die Mittel zur geſelligen Froͤhlichkeit zu ver⸗ mehren, und dieſe zu beguͤnſtigen.
Nicht im engen Familienkreiſe wird ſich der Karakter einer Nazion oder einer oͤffentlichen Meinung bilden; nicht die Nazion ein harmoniſches Ganzes werden, auf das die Staatsverwaltung dann ſchnell und mit Sicherheit zu wir⸗ ken vermag.
— Es mag in der Geſchichte der Staaten einzelne Punkte geben, wo die Verſammlung einer großen Menge fuͤr die Staatsverfaſſung gefaͤhrlich ſeyn koͤnnte; aber, abgeſehen da— von, daß oft das Mißtrauen der Regierung dieſe Punkte her⸗ beyfuͤhrt, ſo bleibt es pſychologiſch richtig, daß Frohſinn das menſchliche Gemuͤth zur Ruhe, zum friedlichen Lebensgenuß empfaͤnglich mache, ſo wie abgeſchiedne Lebensweiſe Unmuth, Graͤmlichkeit und Mißvergnuͤgen erzeugt. Gefahrvolle Unter⸗
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