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Anordnungen und Handlungen muͤſſen von dieſem Geiſte beſeelt ſeyn; aber er muß ſich nicht durch Akte der Gewalt in Be⸗ ziehung und Anwendung auf die einzelnen buͤrgerlichen Hand lungen, er muß ſich, außer der Staatsverfaſſung ſelbſt, durch die Geſeze ausſprechen.
563. Der vorzuͤglichſte Mißgriff der Geſezgebung uͤberhaupt liegt in der duͤſtern Graͤmlichkeit, und in der neidiſchen Pe⸗ danterey, womit ſie den erſten Grundtrieb der menſchlichen
Seele und ſeinen edelſten, den Hang zum froͤhlichen Lebens⸗
genuß zu beſchraͤnken, zu regeln, d. h. alſo zu unterdruͤcken ſtrebt. So wie heiterer Frohſinn die Mutter der Tugenden, ſo iſt hingegen Freyheit die Mutter des Frohſinns.
Die Geſezgebung, die freundlich dieſem Triebe die Haͤnde bieten ſollte, zieht einen Trauerflor uͤber das Menſchen⸗ Daſeyn: die Staatsfinanz geſezgebung, indem ſie muͤhſam berechnet, wie viel man dem Staatsbuͤrger von dem Erwerbe ſeiner Induſtrie laſſen muͤſſe, um ihn nicht zu entmuthen, und doch das Daſeyn, aber ein freudenloſes Daſeyn, zu ſichern.
Die religioͤſe Geſezgebung, indem ſie der heiligſteu
Ergießung des Frohſinns, der Gottesverehrung, den Karakter
duͤſtrer Stille, verſchloſſener Trauer aufdruͤckt, und Feyer, die nur in dem Ausſtroͤmen dankbarer Empfindungen gegen den Urheber des Reichthums unſerer Genuͤſſe ſich auszuſprechen vermag, mit regelrechter Feyerlichkeit verwechſelt; indem ſie jeden lauten Ausbruch der Freude, jeden Schritt aus dem Gleiſe der trivialen einfoͤrmigen Lebenskonverſazion zur Suͤnde ſtempelt, indem ſie die urſpruͤnglichſten, freyſten, ſo
wie ſuͤßeſten Gefuͤhle in Zwangsgeſeze ſchnuͤrt, und unſre un⸗
bedeutendſten Handlungen, in den Kultus eines Weſens ver⸗ webt, das ſeinen Widerſpruch, naͤmlich ſeinen Willen allgemeiner Gluͤckſeligkeit, allgemeiner Freude, allenthalben auf eine ſo entſcheidende Weiſe verkuͤndet.
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