Teil eines Werkes 
Vierter Band (1810) Lehrbuch der Nazional-Oekonomie / von Julius Gr. v. Soden
Entstehung
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jenes Begriffs nicht auf. Ein Großer kann z. B. eine Tafel von 20 Schuͤſſeln, fremde Weine, Betten von Eiderdunen, u. ſ. w. zu ſeinen unentbehrlichen Beduͤrfniſſen rochnen; indeß der einfache Handwerksmann oder Landbauer ſeinen Landwein, ſein Bier, ein einzelnes gut zubereitetes Gericht, und ein ge deih zliches Lager ſchon als Bequemlichkeiten des Lebens betrach⸗ . Die Begriffe Beduͤrfniß und Bequemlichkeit, laſſen 1 alſo wohl nicht genauer als folgendermaßen bezeichnen:

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Der Maßſtab dieſer Begriffe darf naͤmlich nicht in den Extremen der menſchlichen Neigungen und Wuͤnſche liegen. Aber er darf allerdings aus den allgemeinen Gewohn⸗ heiten, Anſichten und Sitten der ganzen Geſellſchaft ge⸗ nommen werden, in ſo weit er die Graͤnzen der Maͤßigung nach ethiſch- rechtlichen Grundſaͤtzen nicht uͤberſteigt. Ein Mann von Stand und Erziehung in einem kultivirten Staate, muß allerdings mehr als eine Strohhuͤtte, er muß eine be⸗ queme, mit anſtaͤndigem Geraͤthe verſehene Wohnung, er muß eine, wo nicht leckere, aber doch anſtaͤndig beſetzte Tafel, er muß Bedienung u. ſ. w. haben. Alle dieſe Dinge ſind im niedrigſten Grade fuͤr ihn unentbehrliche Beduͤrfniſſe; in

einem hoͤhern, Bequemlichkeiten des Lebens. Nicht ſeine Gewohnheiten und Erziehung allein, die allgemeinen Sitten der Klaſſe, in welcher er ſich einmal befindet, ſein Staats⸗ Amt, ſeine Verhaͤltniſſe gegen die Welt, die Achtung

ſeiner Untergebenen, die allgemeinen Anſichten uͤber das

Schickliche und Anſtaͤndige köͤnnen ihm Guͤter unentbehr⸗ lich machen, die der gewoͤhnliche Staatsbuͤrger nicht einmal zu den Bequemlichkeiten des Lebens beduͤrfen wuͤrde.

Um alſo irgend einen feſten Begriff des Reichthums zu retten, muͤſſen wir allerdings ein ethiſches, obgleich relatifes Marimum annehmen. Jenſeits deſſelben iſt Ueberfluß, alſo der relatife Ueberſchuß jener Genuß⸗Mittel.

Sobald alſo der geſellige Menſch mehr Genuß⸗Mittel beſitzt, als die Beduͤrfniſſe und Bequemlichkeiten des Lebens

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