Teil eines Werkes 
1 (1797) Handbuch der Land-Bau-Kunst, vorzüglich in Rücksicht auf die Construction der Wohn- und Wirthschafts-Gebäude für angehende Cameral-Baumeister und Oeconomen. 1
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24 Erſter Abſchnitt.

rials, wegen Erſparung des Arbeitslohns und wegen der beſondern Trockenheit ſolcher Gebaͤude. In der erſtgedachten Num. d. R. A. befindet ſich noch eine Anzeige, daß in den Vorſtaͤdten der Stadt Aſchersleben nur Wohnungen armer Leute von Lehmziegeln erbauet ſind; es ſei aber dabei zu bemerken, daß Ungeziefer allerlei Art in ſolchen Waͤnden ſehr proſperirte. Ich kann dieſem Vor⸗ geben des Herrn Hofraths von Fiſcher aus ſehr vielen eingeholten Nachrichten und aus eigenen Erfahrungen, wenigſtens in Abſicht der Maͤuſe gerade zu widerſprechen. Sollten denn dieſe in geſtackten und gelehmten Waͤnden nicht einen beſſern Aufenthalt ſinden, als in den dichten Lehmwaͤnden? m. ſ. S. 35. meiner Beſchreibung der Lehmſchindelndaͤcher. 3

Dieſe Bauart kann mit voͤlliger Sicherheit bei Gebaͤuden von zwei Stockwer⸗

ken angewandt werden.

Die Beſorgniß, daß die von Lehmſteinen aufgefuͤhrten Theile der Mauer ſich mehr ſetzen wuͤrden, als die Bekleidung mit gebrannten Steinen iſt ganz unge⸗

gruͤndet; ſind die Luftſteine nur gehoͤrig getrocknet, ſo faͤllt dieſer Umſtand gaͤnzlich,

weg, weil die Mauerſteine ebenfalls nur ſo, wie uͤberhaupt alle Lehmſteine, anſtatt

mit Moͤrtel von Kalk, mit Lehm vermauert werden, und es ſindet alſo eine gleiche

Schwindung in den Fugen ſtatt.

Anmerk. Auſſer andern von mir ſchon gemachten vielfaͤltigen Erfahrungen, nehme ich vorzuͤglich Bezug auf ein im vorigen Jahre bei Potsdam ganz in vorgedachter Art erbauetes Haus von 60 Fuß lang 32 Fuß breit von zwei Stockwerken zu 10 Fuß hoch. Man hat dabei bemerkt, daß die Mauern ohngeachtet daß die Aeuſſern in beiden Stockwerken nur 18, und die ingern Scheidewaͤnde nur 10 Zoll ſtark ſind, bei dem Aufbringen und Umkanten der Balken weniger ſchwankten, als die von gebrannten Steinen und mit Kalkmoͤrtel aufgefuͤhrten Waͤnde es zu thun pflegen, und eben ſo ſchadete dem nur einen halben Lehmziegel ſtark uͤberwoͤlbten Fenſterſturze das Aufbringen und Um⸗ kanten der Balken nicht im geringſten. So ſtark iſt die Kohaͤſion der Lehmziegel mit dem Lehm, womit ſie vermauert werden, und da die Austrocknung des Lehms in den Fugen bald erfolgt, ſo iſt auch weit eher auf dieſe Kohaͤſion zu rechnen, als beim Moͤrtel und gebrannten Steinen. 3 In dieſem Gebaͤude iſt ein Theil des Corridors ebenfalls mit Lehmziegeln uͤberwoͤlbt, auf wel⸗

chem flachen Gewoͤlbe der ganze Schornſtein ruhet.

Man machte bei dieſem Bau auch die Erfahrung, daß die waͤhrend der Auffuͤhrung der Lehm⸗

waͤnde eingetretenen ſtarken Regenguͤſſe dieſen Waͤnden nicht ſchadeten. Nach der Goldfußſchen Methode*) Lehmwaͤnde aufzufuͤhren, ſoll man ſich dadurch vor dem Regen waͤhrend des Baues fichern, daß auf den Ecken der Gebaͤude und auſſerdem Diſtanzweiſe, Pfeiler von gebrannten Steinen aufgefuͤhrt, auf ſelbigen das Dach aufgerichtet und gedeckt werde, um das uͤbrige der Waͤnde mit Lehmziegeln zu vollenden; dieſe Vorſicht iſt aber keinesweges noͤthig, ſie iſt mit Weit⸗ laͤuftigkeiten verbunden und findet bei zweiſtoͤckigten Haͤuſern nicht ſtatt..

*) Feuerſicherer und dauerhafter Häuſerbau von wohlfeilen Lehmpatzen, v. K. S. v. Gold⸗ fuß. Dresden 1294.

Man wird ſich auch des bei ganz von gebrannten Steinen aufgefuͤhrten Mauern bekannten Vortheils bedienen, nemlich die Fugen zwiſchen den Mauerſteinen aus⸗ waͤrts, auf einen Zoll tief, offen oder hohl zu laſſen, damit der angeworfene Kalk⸗ bewurf hinein fliegen und deſto feſter halten koͤnne. 4.

Die innern Flaͤchen der Lehmwaͤnde werden blos mit Lehm, der mit etwas ſcharfen reinem Sande vermiſcht iſt, mit dem Reibebrette glatt gerieben, ſodann aber

*