Von den Baumaterialien. 23
handene Beiſpiele nachahmen zu wollen, nemlich die Luftſteine zu Auffuͤhrung der innern Scheidewaͤnde, und noch weniger zu den Auſſenwaͤnden zu gebrauchen. Unterſucht man die Feſtigkeit eines aus gutem, das iſt, nicht zu magern, oder mit zu vielem Sande vermiſchten Lehm geformten und wohlgetrockneten Lehm⸗ ziegels(welches letztere neben der erſten Eigenſchaft eine Hauptbedingung iſt,) gegen manche Sorten unſerer jetzigen gebrannten Steine, ſo duͤrfte wohl der Zweifel, daß erſtere nicht eben ſo gut, als letztere zur Auffuͤhrung ſämmtlicher Mauern eines Gebaͤudes gebraucht werden koͤnnten, leicht wegfallen.* Daß den Lehmwaͤnden ein uͤber die Erde gehoͤrig und wenigſtens anderthalb Fuß erhoͤhetes Fundament gegeben werden muß, verſteht ſich von ſelbſt, und es
iſt anzurathen, uͤberdem noch einen Fuß hoch uͤber die Fußboden mit gebrannten
Steinen zu mauern, um die Feuchtigkeiten bei Reinigung oder bei dem Scheuern
der Zimmer von den Waͤnden abzuhalten, welches auch in den obern Stock⸗
werken zu beobachten ſeyn wuͤrde, das iſt, wenn die Lehmwaͤnde bis zur Hoͤhe der Fußboden aufgefuͤhret worden, ſo muß ein Fuß hoch uͤber den Fußboͤden des obern Stockwerks wieder mit gebrannten Ziegeln gemauert und denn mit den Lehmſteinen fortgefahren werden.
Es iſt ferner bei dieſem Gebrauche der Lehmziegel noͤthig, die Ofenloͤcher mit gebrannten Steinen einzufaſſen, auch die Stellen bei den Feuerheerden, ſo weit das Holz gegen die Mauer gelegt wird, damit zu mauern, nicht, weil die Lehm⸗ ſteine die Hitze des Feuers nicht vertragen koͤnnten, ſondern weil ſie durch harte daran geworfene Koͤrper leichter abgeſtoſſen werden koͤnnen, als die gebrannten Ziegel.
Ob gleich bereits wuͤrkliche Beiſpiele vorhanden ſind, daß aͤußere Mauern wenigſtens einſtoͤckigter Gebaͤude, blos von Lehmſteinen aufgefuͤhret, ſchon ſeit langer Zeit beſtehen*), ſo kann man doch um ſicherer zu gehen, die aͤuſſere Flaͤche der Mauern mit gebrannten Mauerſteinen dergeſtalt bekleiden, daß eine Schicht dieſer Steine nach der Laͤnge und die folgende nach der Breite gelegt werde, oder daß ein Verband des Mauerwerks mit den gebrannten und ungebrannten Steinen entſtehe. 1
*) Auf eine im Reichsanzeiger geſchehene Anfrage wegen der Bauart mit getrockneten Lehmziegeln iſt in Num. 133 dieſer Zeitſchrift v. J. 1795. geantwortet worden; daß in der Reſidenzſtadt Stuttgard vor 30 Jahren ein großes Gebaͤude von Lehmziegeln erbauet worden, welches ſich bisher gut erhal⸗
ten hat, und daß die allgemeine Meinung, daß das Gebaͤude von keiner Dauer ſeyn werde, nun⸗ mehr durch eine etliche und 3ojaͤhrige Erfahrung widerlegt ſey. In Num. 124. d. R. A. 1795. wird die Anfrage dahin beantwortet, daß die Regierung durch die
vielen Feuerſchaͤden veranlaßt worden ſey, die Erbauung hoͤlzerner Gebaͤude zu ver⸗ bieten, und dagegen mit ungebrannten Ziegeln zu bauen, wegen der geringen Koſten des Mate⸗


